24.05.2015

Deutschland: Konvertiten fühlen sich in Freikirchen wohler

Islamwissenschaftler: Sie sind fürsorglicher und kuscheliger als Kirchengemeinden

Deutschland: Konvertiten fühlen sich in Freikirchen wohler

Islamwissenschaftler: Sie sind fürsorglicher und kuscheliger als Kirchengemeinden

Zürich (idea) – Muslime, die in Deutschland zum Christentum übertreten, fühlen sich in Freikirchen wohler als in Kirchengemeinden. Freikirchliche Gemeinden seien oft attraktiver, „weil sie in ihrer Religiosität verbindlicher sind“, sagte der Islamwissenschaftler Jörn Thielmann, Geschäftsführer des Erlanger Zentrums für Islam und Recht in Europa, der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Thielmann weiter: „Diese Gemeinden sind fürsorglicher, kuscheliger und zeigen mehr Begeisterung für Neuzugänge.“ Auf diese Weise böten die Freikirchen den Migranten auch ein soziales Zuhause. Jedes Jahr lassen sich in Deutschland nach Schätzungen mehrere Hundert Muslime taufen. Genaue Angaben gibt es nicht, denn die Taufregister werden unter Verschluss gehalten. Thielmann: „Die großen Kirchen sind sehr zurückhaltend beim Thema Konvertiten, weil sie den Dialog mit dem Islam nicht gefährden wollen.“

Viele Muslime haben Angst vor Gott

Nach Ansicht des Islamwissenschaftlers fühlen sich Muslime grundsätzlich zum christlichen Glauben hingezogen, weil sie ihn als weniger einschränkend erleben: „Im Islam spielt die Angst in der Gottesbeziehung eine große Rolle.“ Besonders viele Konvertiten kämen aus dem Iran und Afghanistan, wo der Glaube sehr stark politisiert werde. Wer das ablehne, aber dennoch nach Religiosität sucht, komme oft schon im Heimatland mit der Bibel in Berührung und fliehe aus diesem Grund. Andere entwickelten erst in Deutschland Interesse für das Christentum. Im Einzelfall könne es vorkommen, dass die Taufe als Abschiebehindernis eingesetzt werde. Der Übertritt eines Muslims zum Christentum ist ein Asylgrund, denn in manchen Ländern steht auf Abfall vom Islam Gefängnis oder gar die Todesstrafe. Konvertiten könnten daher nicht in ihre Heimat zurückkehren.

Wo Hunderte Muslime Christen werden

Als ein Beispiel für eine freikirchliche Gemeinde, in der zahlreiche Muslime zum christlichen Glauben finden und sich taufen lassen, führt die NZZ die Dreieinigkeitskirche in Berlin-Steglitz an. Sie gehört zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK). Pfarrer Gottfried Martens hält regelmäßig Taufunterricht, derzeit für etwa 50 Muslime. 565 der 812 Gemeindemitglieder sind Konvertiten. Die Gemeinde ist durch die Arbeit unter muslimischen Migranten stark gewachsen. Im Jahr 2011 hat sie nur rund 100 Mitglieder. Die SELK ist eine Freikirche, die sich nicht aus Kirchensteuern finanziert, sondern aus Beiträgen der rund 34.000 Mitglieder. Sie hat etwa 200 Gemeinden. Als Bischof amtiert Hans-Jörg Voigt (Hannover).