29.05.2015

Deutschland: Supermarkt wurde zur Ahmadiyya-Moschee

Geistliches Oberhaupt: „Gewalt und Extremismus braucht die Welt nicht“

Deutschland: Supermarkt wurde zur Ahmadiyya-Moschee

Geistliches Oberhaupt: „Gewalt und Extremismus braucht die Welt nicht“

Hanau (idea) – Ein ehemaliger Supermarkt in Hanau ist zu einer Moschee mit zwei je zwölf Meter hohen Zierminaretten umgebaut und eingeweiht worden. Der Bauherr, die 200 Mitglieder zählende Ahmadiyya-Gemeinde, investierte rund 1,1 Millionen Euro, hieß es bei der Einweihungsfeier. Auf 470 Quadratmetern entstanden zwei Gebetsräume für über 500 Besucher – jeweils einen für Männer und Frauen –, zwei Küchen sowie Bäder für rituelle Waschungen. Die Gemeindearbeit der Bait-ul-Wahid-Moschee (deutsch: Haus des Einzigartigen) steht unter dem Motto: „Liebe für alle. Hass für keinen.“ Das geistliche Oberhaupt der Ahmadiyya-Bewegung, Kalif Mirza Masroor Ahmad (London), versicherte vor 800 Besuchern der Feier, dass künftig „Liebe, Harmonie und Zuneigung von diesem Haus ausgehen werden“. Er erklärte jeder Form von Extremismus eine Absage: „Wenn jemand Unfrieden stiften sollte in unseren Reihen, werden wir nach den Gesetzen des Landes dagegen vorgehen. Gewalt und Extremismus braucht die Welt nicht.“ Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) zufolge hat es in der Bevölkerung zunächst Befürchtungen gegen den Moscheebau gegeben. Diese hätten jedoch ausgeräumt werden können. Nach seinen Worten leben in Hanau Angehörige aus 127 Nationen, und es gibt 20 Kirchen und Religionsgemeinschaften. Gegenseitige Akzeptanz und Toleranz seien unabdingbar. Kaminsky: „Das ist eine Herausforderung, die wir jeden Tag aufs Neue zu meistern haben.“

Auch Evangelische Allianz begrüßt Moscheebau

Der Vorsitzende der Hanauer Evangelischen Allianz, der Baptistenpastor Hanno Sommerkamp, nahm an dem Festakt teil. Er begrüßte es gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, dass die Ahmadiyya-Gemeinde sich nicht länger in einer Privatwohnung zum Gebet treffe: „Hanau ist eine multireligiöse Stadt. Was wir als Christen für uns an Freiheit fordern, das gewähren wir natürlich auch gerne anderen Religionsgemeinschaften.“ Es sei für ihn spannend mitzuerleben, wie sich Christen und Muslime trotz großer Unterschiede in allen Kernfragen ihres Glaubens gemeinsam für das Wohl der Stadt einsetzten. Die Ahmadiyya-Gemeinschaft ist seit 2013 vom Land Hessen als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt und somit den Kirchen gleichgestellt. In Deutschland hat sie rund 35.000 Angehörige, in Hessen 15.000. Ahmadiyya wurde 1889 in Indien als pazifistische Reformbewegung innerhalb des Islams gegründet. Ihre Anhänger werden in islamischen Ländern teilweise heftig verfolgt.