17.11.2015

Deutschland: Kongress Christenverfolgung-heute

Berichte vom Dienstag, 17.11.2015

Deutschland: Kongress Christenverfolgung-heute

Berichte vom Dienstag, 17.11.2015

Das Leiden der Märtyrer mahnt Christen zur Einheit

Kardinal Koch spricht von einer „Ökumene der Märtyrer“

Schwäbisch Gmünd (idea) – Die weltweite Christenverfolgung ist ein Aufruf zur Einheit der Christen über konfessionelle Grenzen hinweg. Die „Ökumene der Märtyrer“ ist das glaubwürdigste Zeugnis des Evangeliums. Diese Überzeugung äußerte der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, am 17. November beim Kongress „Christenverfolgung heute“ in Schwäbisch Gmünd. Daran nehmen auf Einladung des Christlichen Gästezentrums Schönblick und der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) rund 650 Experten teil. Nach Kochs Worten sind „die Märtyrer der bedeutendste Beweis, dass Spaltung überwunden werden kann“. Ihr Blut sei auch „der Samen der vollen ökumenischen Einheit der Christen: „Wenn uns der Feind im Tod vereint, wie kommen wir dazu, uns im Leben zu trennen?“, fragte Koch. Märtyrer wüssten, dass Christen alle eins seien, und lebten die Ökumene bereits. Dem Kardinal zufolge gibt es mehr Christenverfolgung als je zu vor. 80 Prozent aller wegen ihres Glaubens Unterdrückten seien Christen. Dem Kardinal zufolge unterscheiden Christenverfolger nicht zwischen Lutheranern, anderen Evangelischen und Katholiken: „Für die Verfolger sind Christen nicht geteilt.“ Von daher lasse die gemeinsame Bedrängnis Christen verschiedener Kirchen zusammenwachsen. Koch griff in diesem Zusammenhang zu einem Bild aus der Musik: „Der ökumenische Notenschlüssel sorgt dafür, dass unter uns nicht Kakophonie, sondern Symphonie herrscht.“

Das Martyrium gehört zum Christsein

Nach Ansicht Kochs gehört das Martyrium zum Christsein. Jesus Christus habe seinen Jünger gesagt, dass auch sie verfolgt werden, so wie er verfolgt wurde. Das Kreuz Jesu zu tragen, sei der Normalfall. Bedrängnisse könnten Christen so umformen, dass das Leben zur Gabe für Gott und andere werde. Die Kreuzesnachfolge sei kein Masochismus, sondern eine frohe Botschaft: „Durch den Tod kommt es zum wahren Leben.“ Das Martyrium von Jesus Christus bilde den Mittelpunkt des Evangeliums. Koch rief dazu auf, Märtyrern für ihr Zeugnis zu danken und sich von ihnen für ein lebendiges Christsein inspirieren zu lassen.

Spaltung der Christenheit ist das stärkste Hindernis der Weltmission

Er vertrat ferner die Meinung, dass sich die Spaltung der weltweiten Christenheit als stärkstes Hindernis der Weltmission erwiesen habe. Es müsse nachdenklich stimmen, dass die Einheit der Christen das größte Gebetsanliegen von Jesus ist. Sie sei daher kein Selbstzweck, sondern Zeichen der Glaubwürdigkeit des Sendungsauftrags Jesu. Koch: „Christliche Kirchen müssen daher die Spaltung überwinden, nur dann ist das christliche Zeugnis glaubwürdig.“

Indien: Christen leiden zunehmend unter Anfeindungen

Kongress: Ihre Religionsfreiheit ist massiv eingeschränkt

Schwäbisch Gmünd (idea) – Christen in Indien leiden unter zunehmenden Anfeindungen. Das berichtete der Bischof der Nethanja-Kirche, Pratap Komanapalli (Narsapur), beim Kongress „Christenverfolgung heute“ am 17. November in Schwäbisch Gmünd. So komme es dazu, dass Christen von Dorfgemeinschaften ausgestoßen und ihre Kirchen angezündet würden. Die Situation habe sich seit der Regierungsübernahme durch die Hindu-Partei BJP 2014 verschlechtert. Christen bekämen kein Land für den Bau von Kirchen oder für Friedhöfe und keine Erlaubnis für öffentliche Versammlungen. In etlichen Bundesstaaten seien Anti-Bekehrungsgesetze erlassen worden. Zudem gebe es verstärkte Bemühungen, ehemalige Hindus zur traditionellen Religion zurückzugewinnen. Dennoch wechselten immer mehr Inder zum christlichen Glauben. Komanapalli appellierte an die Kirchen in Europa, die indischen Christen im Kampf für staatliche Gleichberechtigung zu unterstützen. Sie brauchten sowohl materielle Hilfen als auch hörbare Proteste gegen die Anti-Bekehrungsgesetze. Von den 1,25 Milliarden Einwohnern Indiens sind 82 Prozent Hindus, zwölf Prozent Muslime und mindestens drei Prozent Christen. Die übrigen sind meist Anhänger von Natur- und Stammesreligionen.

Kirgisischer Pastor: Schaut nicht nach Europa!

Auch in den zentralasiatischen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion nimmt der Druck auf Christen zu. Missionarische Aktivitäten seien weitgehend verboten, berichtete der kirgisische Pastor Knejak Kalobrit. Als Gründe nannte er die allgemeine Furcht vor religiösem Eifer, wie ihn radikale Muslime pflegten, und Unkenntnis über nicht-orthodoxe Kirchen, worunter besonders protestantische Gemeinden zu leiden hätten. Ein „Lichtblick“ sei das Vorhaben des kirgisischen Bildungsministeriums, ein Schulbuch mit objektiven Informationen über religiöse Bewegungen im Land herauszugeben. Dabei könne deutlich werden, dass Kirgisen ursprünglich Heiden waren, dann den christlichen Glauben annahmen, später islamisch und schließlich atheistisch geprägt wurden. Er empfiehlt den Christen in Zentralasien, die Möglichkeiten in ihren Ländern wahrzunehmen, anstatt darauf zu hoffen, dass die Kirchen in den westlichen Staaten ihnen beim Kampf gegen Missstände helfen. „Wer nach Europa oder Nordamerika schaut, wird schnell enttäuscht oder neidisch“, warnte der Pastor.

„Es gibt bei Muslimen Hass gegen Juden und Christen“

Kongress über Christenverfolgung diskutiert über Fluchtgründe

Schwäbisch Gmünd (idea) – Was sind die Ursachen für die weltweiten Flüchtlingsströme? Darüber wurde auf dem Kongress „Christenverfolgung heute“ diskutiert, der vom 15. bis 18. November in Schwäbisch Gmünd stattfindet. Der Sozialwissenschaftler Prinz Gharios von Ghassan (Los Angeles/USA), der vom ältesten christlich-arabischen Königshaus abstammt, führte wirtschaftliche und politische Probleme an. Bildung und eine Verbesserung der gesellschaftlichen Umstände könnten verhindern, dass Menschen fliehen. „Wer einen Job, wer eine Perspektive hat, sprengt sich nicht in die Luft“, sagte er im Blick auf Selbstmordattentäter der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). 70 bis 80 Prozent der IS-Kämpfer seien Söldner, die nur für Geld kämpften. Dem widersprach der syrische Arzt Jany Haddad (Aleppo). Der Bürgerkrieg in seinem Land sei nicht in erster Linie wirtschaftlicher und politischer Natur, sondern habe religiöse Ursachen. Dort bekämpften sich Menschen aus mehr 86 Nationen in 45 muslimische Gruppierungen. Auch nach Ansicht des Direktors eines arabischen-christlichen Fernsehsenders, der aus Sicherheitsgründen mit dem Decknamen Abu Ali auftrat, handelt es sich bei den Auseinandersetzungen in der arabischen Welt um ein religiöses Problem: „Es gibt bei den Muslimen ganz eindeutig Hass gegen Juden und Christen.“ Er verwies darauf, dass die Attentäter des 11. September 2001 gut ausgebildete junge Männer waren. Bei den Kämpfern des IS handele es sich oft um Europäer, die sich dem Islam zugewandt haben.

„Muslime werden nie der Demokratie vertrauen“

Pater Douglas (Mossul/Nordirak) sagte, jede Flucht sei eine persönliche Entscheidung. Er könne angesichts der katastrophalen Lage in seinem Land verstehen, dass vor allem viele junge Menschen aufgrund der mangelnden Perspektive nach Europa wollen. „Nehmt die Flüchtlinge auf, aber gebt ihnen nicht das Hausrecht!“, so sein Rat. Er zeigte sich wie andere Diskussionsteilnehmer skeptisch, ob Demokratie in den arabischen Ländern funktionieren würde: „Muslime werden nie der Demokratie vertrauen.“

Pfalz: Mehr als 100 Ex-Muslime getauft

Der Beauftragte für die Arbeit mit Ausländern, Aussiedlern, Asylsuchenden, Flüchtlingen, Migrantengemeinden im Diakonischen Werk Pfalz, Reinhard Schott (Speyer), wies darauf hin, dass kaum „wirtschaftlich arme“ Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Dies liege daran, dass es keinen legalen Zugang zu Asyl gebe: „Flucht können sich nur die leisten, die Schlepper bezahlen können.“ Solange der Zugang nach Europa nur über Schleuser möglich sei, könnten die Ärmsten und damit oft Bedrängtesten nicht kommen, so Schott. Er berichtete ferner, dass allein in der Pfalz in den vergangenen Jahren mehr als 100 ehemalige Muslime getauft wurden. An dem Kongress nehmen auf Einladung des Christlichen Gästezentrums Schönblick und der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) rund 650 Experten teil.