18.11.2015
Irak: Scharfe Kritik am Konversionsgesetz zeigt Wirkung
Das Parlament will die Meinung kleinerer Volksgruppen anhören
Irak: Scharfe Kritik am Konversionsgesetz zeigt Wirkung
Das Parlament will die Meinung kleinerer Volksgruppen anhören
Bagdad (idea) – Die scharfe Kritik am neuen Konversionsgesetz im Irak zeigt Wirkung. Wie der Nahostreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen), Kamal Sido, der Evangelischen Nachrichtenagentur idea mitteilte, hat das Parlament beschlossen, es noch einmal zu diskutieren. Das Gesetz sieht bislang vor, dass minderjährige Kinder automatisch Muslime werden, wenn ein Elternteil zum Islam übertritt. Sido sagte unter Berufung auf irakische Medien, dass Vertreter kleinerer ethnischer und religiöser Gruppen wie Assyrer, Chaldäer, Aramäer, Jesiden, Kakai, Mandäer oder Bahai nun vor der Parlament angehört werden sollen. Ein genauer Termin steht seinen Angaben zufolge noch nicht fest. Laut Sido geht diese Wendung auf lautstarke nationale und internationale Proteste zurück. Insbesondere der Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche, Louis Raphael I. Sako (Bagdad), hatte sich sehr für eine Überarbeitung des Gesetzes eingesetzt. Er bezeichnete es als Bedrohung für die Einheit der Nation, das soziale Gleichgewicht und die Religionsvielfalt. Christliche Parlamentarier hatten zuvor vorgeschlagen, das Gesetz so zu verändern, dass Kinder ihre angestammte Religion bis zur Volljährigkeit behalten und dann das Recht haben, sie selbst zu wählen. Das lehnte die Mehrheit des irakischen Parlaments aber Ende Oktober ab.