06.10.2015
Indien: Menschenrechte bei Indien-Besuch kein Thema
Kritik an Kanzlerin: Hindu-nationalistische Regierung schürt Übergriffe auf Christen und Muslime
Indien: Menschenrechte bei Indien-Besuch kein Thema
Kritik an Kanzlerin: Hindu-nationalistische Regierung schürt Übergriffe auf Christen und Muslime
Göttingen/Neu Delhi (idea) – Enttäuscht über den Indien-Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vom 4. bis 6. Oktober hat sich die Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) gezeigt. „Bei den deutsch-indischen Regierungskonsultationen spielten Menschenrechte offenbar keine Rolle, obwohl Asiens größte Demokratie vor einer Zerreißprobe steht. Denn Indiens hindu-nationalistische Regierung schürt systematisch Übergriffe auf Christen und Muslime“, erklärte der Asienreferent der Organisation, Ulrich Delius, am 6. Oktober. Doch Deutschland schaue weg und denke nur an seine Wirtschaftsbeziehungen. „Es wurde eine Chance vertan, sich für Glaubensfreiheit in Indien starkzumachen, so wie es US-Präsident Barack Obama beispielhaft bei seinem Indien-Besuch im Februar 2015 getan hat“, kritisiert Delius. Nach seinen Worten müssen dort 180 Millionen Muslime und 30 Millionen Christen um ihre Existenz fürchten. Denn ein führender nationalistischer Hindu, der eng mit der Regierungspartei BJP vernetzt sei, habe 2014 gefordert, Indien müsse bis Ende des Jahres 2021 frei von Christen und Muslimen sein. Delius: „Wer langfristig Fluchtursachen bekämpfen will, muss jetzt in Indien aktiv werden und nicht erst in sechs Jahren klagen, weil viele Christen und Muslime fliehen werden.“
Seit März 160 Übergriffe auf religiöse Minderheiten
Die Gesellschaft für bedrohte Völker hatte am 30. September einen 45-seitigen Bericht über die Verletzung der Religionsfreiheit in Indien veröffentlicht. Darin dokumentiert die Menschenrechtsorganisation 160 Übergriffe, die seit März 2015 auf Christen, Muslime und Sikhs verübt wurden. Dazu zählten Einschüchterungen, Vertreibungen, Zwangsbekehrungen zum Hinduismus, Morde sowie Zerstörungen von Kirchen und kirchlichen Einrichtungen. Seit dem Amtsantritt von Ministerpräsident Narendra Damodardas Modi von der hindu-nationalistischen BJP seien 760 Übergriffe auf religiöse Minderheiten gezählt worden.