15.10.2015
Pakistan: Christen trifft am schwersten das Blasphemiegesetz
Weitere Christen wegen Blasphemie festgenommen und misshandelt
Pakistan: Christen trifft am schwersten das Blasphemiegesetz
Weitere Christen wegen Blasphemie festgenommen und misshandelt
Lahore (Fides) – Ein weiterer Christ wurde in Pakistan wegen angeblicher Blasphemie festgenommen: es handelt sich um den 24jährigen Naveed John aus Sargodha (Punjab).
Wie in vielen pflingstkirchlichen Gemeinden üblich, hatte der junge Christ in einer Privatwohnung für die Genesung einer anderen Person gebetet. Oft kamen Gläubige verschiedener Religionen zu ihm nach Hause, damit er für sie betete. Bis ein Polizist ohne Uniform zu ihm kam und ihn danach wegen angeblicher Blasphemie und Beleidigung des Koran anzeigte. Wie die Nichtregierungsorganisation LEAD mitteilt sollen auch die Familienmitglieder bedroht werden.
In der Region Wazirabad (Punjab) musste unterdessen eine ganze Familie vor muslimischen Angreifern fliehen. Der 40 jährige Aftab Gill holte Wasser aus dem Brunnen einer Moschee, als ein Muslim ihm sagte: “Christen dürfen dieses Wasser nicht benutzen, da es durch Ungläubige verschmutzt wird. Wenn ihr dieses Wasser trinken wollt, müsst ihr euch zum Islam konvertieren“. Da Gill und seine Kinder dem nicht Folge leisten wollten, kam es zu dem Streit, woraufhin nach kürzester Zeit 200 Muslime Gill und seine Familie angriffen, und sie der Blasphemie beschuldigten.
“Der Blasphemie-Paragraph führt in Pakistan zu einem Klima der Intoleranz, wodurch es oft zu Verstößen gegen die Menschenrechte, darunter auch die Meinungs- und Religionsfreiheit kommt“, so der christliche Anwalt Sardar Mushtaq Gill von der Nichtorganisation LEAD. (PA)
Über 1.400 Anklagen wegen Blasphemie in einem Jahr
Karachi (Fides) – Allein 2014 wurden in Pakistan 1.400 Anklagen wegen Blasphemie registriert. Dies teilt Syed Mumtaz Shah im Rahmen des Seminars “Menschenrechte, Religionsfreiheit, soziale Inklusion und politisches Mitwirken von Minderheiten” des“ Pakistan Institute of Labour Education and Research” (PILER) mit. Wie aus offiziellen Daten hervorgeht, handelte es sich in 800 Fällen um muslimische Angeklagte “was die Muslime selbst zum Nachdenken darüber anregen sollte, dass etwas gegen den Missbrauch dieses Gesetzes unternommen werden muss”, so die Seminarteilnehmer.
Nach Ansicht des Sprechers der Anwaltskammer von Karachi, Nisar Shar, “ist es für Anwälte gefährlich geworden einen wegen Blasphemie angeklagten Mandanten vor Gericht zu vertreten”.
Wie aus den Statistiken der Pakistanischen Kommission für Menschenrechte (HRCP) hervorgeht, wurden 2014 in Pakistan drei Angeklagte wegen Blasphemie zum Tode verurteilt. In sechs Fällen lautete das Urteil "lebenslange Haft", drei Angeklagte wurden zu zwei Jahren Haft verurteilt. (PA) (Fides 15/10/2015)