23.09.2015

Südamerika: Christliche Indianer geraten unter Druck

Klagen über Einschränkungen der Versammlungs- und Religionsfreiheit

Südamerika: Christliche Indianer geraten unter Druck

Klagen über Einschränkungen der Versammlungs- und Religionsfreiheit

Geradstetten (idea) – In Südamerika geraten christliche Gemeinden unter den Ureinwohnern zunehmend unter Druck. Sie beklagen Einschränkungen der Versammlungs- und Religionsfreiheit. Das berichtete der Leiter der Deutschen Indianer Pionier Mission (St. Johann bei Reutlingen), Burkhard Heupel, beim Jahresfest am 20. September in Geradstetten bei Stuttgart. Als Beispiel nannte er einen Vorgang in dem rund 350 Kilometer nordöstlich von Paraguays Hauptstadt Asuncion gelegenen Dorf Pariri. Auf Veranlassung des Häuptlings hätten etwa 40 Familien zwei Siedlungen verlassen müssen, weil sie sich weigerten, zum traditionellen Geisterglauben zurückzukehren. Heupel hält es für möglich, dass Völkerkundler das Ultimatum veranlassten. Sie pflegten „ein romantisches Bild vom edlen Wilden“, „der sich von Früchten des Waldes ernährt und ohne Kontakt zur Zivilisation friedlich lebt“. In Wirklichkeit litten Indianer unter Armut, Analphabetentum, sexuellem Missbrauch, Alkoholismus und der Angst vor bösen Mächten.

Warum dürfen Indianer keinen Verein gründen?

Gegenwind spüren Missionsmitarbeiter auch in Brasilien. Dort scheitert bisher das Bemühen, eine Bibelschule unter einheimischer Leitung zu gründen. Indianer, die die Bibel intensiver kennenlernen wollen, wünschten, dass ein einjähriger Bibelkurs ab 2016 die bisher zweimal jährlich stattfindenden fünfwöchigen Bibelseminare ablöse, berichtete Heupel. Voraussetzung für die Bibelschule sei die Existenz eines Trägervereins. Eine Behörde habe die Vereinsgründung jedoch abgelehnt, da ihrer Auffassung nach Indianer nicht rechtsfähig sind. Das Missionswerk wolle eine juristische Klärung herbeiführen, sagte Heupel der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Beide Konflikte zeigten, dass Indianer weiter auf fremde Hilfe angewiesen sind, um sich in der modernen Welt zu behaupten. Die 1962 gegründete Deutsche Indianer Pionier Mission ist mit rund 50 Missionaren in Paraguay und Brasilien tätig. Außerdem engagiert sich das evangelikale Missionswerk in der pommerschen Stadt Wolgast an der Ostsee und im Landkreis Uckermark (Bundesland Brandenburg) liegt. Die Gegend gilt als eines der entkirchlichsten Gebiete Europas.