27.09.2015

Rumänien: Interesse an der lutherischen Kirche wächst

Bischof Reinhart Guib besuchte den Siebenbürgischen Kirchentag in Bonn

Rumänien: Interesse an der lutherischen Kirche wächst

Bischof Reinhart Guib besuchte den Siebenbürgischen Kirchentag in Bonn

Bonn/Hermannstadt (idea) – Die Wahl des Siebenbürgers und Lutheraners Klaus Johannis im vergangenen Jahr zum rumänischen Präsidenten hat viel bewirkt. Dadurch ist das Interesse der Bevölkerung an der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses (A.B.) in Rumänien gestiegen. Ferner sehen Journalisten und Politiker die Diasporakirche nun als wichtigen Gesprächspartner. Diese Einschätzung gab der Bischof der Evangelischen Kirche A.B., Reinhart Guib (Hermannstadt), auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Anlass war der 33. Siebenbürgische Kirchentag vom 25. bis 27. September in Bonn, an dem Guib und weitere Vertreter seiner Kirche teilnahmen. Sie sei mit rund 12.700 Mitgliedern sehr klein, so der Bischof. Vor der Wahl von Johannis habe sie vor allem um die Selbsterhaltung und die eigenen Mitglieder bemüht: „Aber jetzt sind wir eine offene Kirche geworden.“ Nun kämen beispielsweise auch orthodoxe Rumänen zu den Gottesdiensten, Vorträgen und Konzerten. Die deutschsprachigen evangelischen Kindergärten und Schulen seien mittlerweile so beliebt, dass sie viele Eltern abweisen müssten. Die steigende Nachfrage sei aber wegen der dünnen Personaldecke auch eine große Herausforderung, so der Bischof. Positiv bewertete er das öffentliche Interesse an der Meinung der Kirche bei sozialen, kulturellen oder diakonischen Themen: „Wir werden gewürdigt und anerkannt.“

Zahl der Kirchenmitglieder ist stabil

Die Zahl der Kirchenmitglieder bezeichnete Guib als „mittlerweile stabil“. Die große Abwanderungswelle sei Anfang der 1990er Jahre gewesen. Vorher habe die Kirche noch 200.000 Mitglieder gehabt. Mittlerweile gebe es keinen Wegzug mehr. Er hoffe stattdessen, dass sich Rumänien zum Einwanderungsland entwickle. So seien in den vergangenen Jahren Siebenbürger Sachsen „zurück in die alte Heimat“ gekommen. Auch hätten sich westeuropäische Firmen in Siebenbürgen angesiedelt, deren Mitarbeiter die Gemeinden belebten: „Wir sind Gott dankbar für diese Impulse. An manchen Orten, die tot scheinen, wächst neues Leben.“

Sachlich über Flüchtlinge diskutieren

Der Bischof plädierte ferner für eine sachliche Debatte über die Aufnahme von Flüchtlingen. Rumänien gehöre zu den ärmsten Ländern Europas und sei deswegen schnell überfordert. Zudem stehe es vor der Herausforderung, Roma und die Asylanten der vergangenen Jahre zu integrieren. Klar sei aber auch, dass das Land so viel wie möglich helfen wolle und müsse. Nach Guibs Einschätzung tut Präsident Johannis dem Land gut. Er habe auch nach seinem Amtsantritt immer wieder klare Worte gegen Korruption und Machtmissbrauch gefunden. Dauerhafte Veränderungen brauchten aber Zeit: „Wir hoffen, dass seine Zeichen zum Maßstab der politischen Klasse in Rumänien werden.“


Rheinische Kirche leistete Unterstützung

Zwischen der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Evangelischen Kirche A.B. besteht eine langjährige Partnerschaft. So hatten die Rheinländer während des Kommunismus über fast zwei Jahrzehnte die Renovierung einer Kirche im rumänischen Kronstadt unterstützt. Dort wird 2017 auch der nächste Siebenbürgische Kirchentag stattfinden. Die Evangelische Kirche A.B. hat etwa 250 Gemeinden in Rumänien, davon rund 90 Prozent in Siebenbürgen. In Deutschland leben schätzungsweise 250.000 Siebenbürger Sachsen. Ihre Geschichte reicht zurück bis ins 12. Jahrhundert. Historiker vermuten, dass der ungarische König Géza II. (1130–1162) Kreuzfahrer bewogen hatte, in Siebenbürgen sesshaft zu werden, anstatt nach Jerusalem zu reisen. 1546 nahm die Siedlergemeinschaft den evangelischen Glauben an. Von den rund 21 Millionen Einwohnern Rumäniens sind 87 Prozent Orthodoxe, sechs Prozent Protestanten und fünf Prozent Katholiken.