01.12.2019

Türkei: Ein türkischer Jesusnachfolger

idea-Redaktionsleiterin Daniela Städter berichtet über einen Türken, der vor 25 Jahren vom Islam zum Christentum übertrat

„Dämonische Attacken“, Schlafstörungen, Stimmen: Hakan Tastan (50) kämpfte als junger Erwachsener mit psychischen Problemen.

Hakan Tastan ist in einer muslimischen Familie in der Türkei aufgewachsen, sein Großvater war Imam. „Fast 25 Jahre führte ich ein gutes Leben. Ich hatte Arbeit, Geld, glaubte an Allah, aber im Alltag spielte der Glaube keine große Rolle“, erinnert er sich. Doch dann bekam er „dämonische Attacken“, wie er heute selbst sagt. Er hörte Stimmen, konnte nachts nicht schlafen, weil ein unsichtbares Gewicht ihn schier zu erdrücken drohte und ihm den Atem nahm. Er ging zu einem Hodscha (islamischen Religionsgelehrten). Dieser trug ihm auf, bestimmte Gebete zu sprechen und Suren aus dem Koran zu rezitieren. Aber nichts half. Auch die später von einem Arzt verordneten Medikamente waren wirkungslos. Er dachte über Selbstmord nach.

„Ergreife meine Hand“

Eines Nachts sah er eine helle und leuchtende Hand in seinem Zimmer und hörte eine Stimme, die sagte: „Ergreife meine Hand, und du wirst errettet werden.“ Dann war die Hand verschwunden. Es schien ihm, als ob eine Person durch das Zimmer liefe. Schließlich war es wieder dunkel. Am nächsten Tag suchte Tastan auf seiner Arbeitsstelle den Kontakt zu einem Christen und erzählte, was passiert war. Dieser schlug seine Bibel auf und las ihm vor, dass Jesus Dämonen ausgetrieben hat (Markus 5,1–20).

„Danach war alles anders“

Der Arbeitskollege lud ihn in eine christliche Gemeinde ein. Dort beteten Christen für ihn, dass die Dämonen ihn in Jesu Namen in Ruhe lassen und verlassen sollten: „Danach war alles anders. Ich hatte das erste Mal seit knapp einem Jahr wieder Frieden.“ Ab sofort brannte er für Jesus. Seine Ehefrau war erst zornig und drohte, ihn zu verlassen, wurde dann aber auch Christin. Er ließ in seinem Personalausweis die Religionszugehörigkeit ändern, nahm während des Militärdienstes in Kauf, von Vorgesetzten verprügelt zu werden. Er wurde beschattet, stand mehrfach vor Gericht, weil ihm Muslime vorwarfen, er würde gemeinsam mit einem anderen konvertierten Exmuslim den Islam und das Türkentum beleidigen. Auch an dem Tag, als muslimische Extremisten den deutschen evangelikalen Theologen Tilmann Geske sowie die einheimischen Christen Ugur Yüksel und Necati Aydin in Malatya ermordeten (18. 4. 2007), stand er zufällig vor Gericht, wurde aber freigesprochen.

Wir wollen hier Gemeinde bauen

Vor dem Gerichtsgebäude standen des Öfteren Muslime, die sie aufforderten, aus „unserem Land“ zu verschwinden. Aufgrund der Anfeindungen habe ihm die kanadische Botschaft Asyl angeboten. Aber Tastan und seine Familie – die Kinder waren damals 2 und 4 Jahre alt – wollten bleiben: „Es ist unsere Aufgabe, hier Gemeinde zu bauen.“ Heute lebt er in Istanbul, ist Pastor einer evangelikalen Gemeinde mit rund 80 Mitgliedern, die fast alle Exmuslime sind, und als Gemeindegründer in der Türkei tätig. Unterstützt wird er dabei u. a. von der HMK Schweiz. Vor Anklagen und Gerichten hat er keine Angst: „Dort können wir Jesus bezeugen, und die Menschen erfahren so, dass es türkische Jesusnachfolger gibt. Das ist doch wunderbar.“

übernommen aus idea