02.12.2019

Deutschland: Wer erteilt Reli Unterricht in Hamburg?

Hamburg: Auch Muslime, Juden und Aleviten erteilen künftig „Reli“ Schulsenator Rabe spricht von einer „wunderbaren Idee“

Hamburg (idea) – Der Religionsunterricht an Hamburger Schulen wird in Zukunft nicht mehr nur von evangelischen Lehrkräften, sondern auch von muslimischen, alevitischen und jüdischen Lehrern erteilt. Das gab der Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD) am 29. November bekannt. Die Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis der Nordkirche kritisiert die Pläne. Nach den Worten Rabes geht Hamburg damit bundesweit einen einzigartigen Weg. Er sprach von einer „wunderbaren Idee für unsere religiös und kulturell vielfältige Stadt“. Bei der Pressekonferenz waren neben der Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), Kirsten Fehrs (Hamburg), auch Vertreter der katholischen Kirche, der jüdischen Gemeinde, der alevitischen Gemeinde und der muslimischen Verbände anwesend. Wie Rabe sagte, führt Hamburg als erstes Bundesland einen Religionsunterricht in interreligiöser Trägerschaft ein. Das bedeutet, die Inhalte werden künftig gleichberechtigt von den beteiligten Glaubensrichtungen verantwortet. Bislang wurde der Religionsunterricht an den staatlichen Schulen für alle Religionen und Konfessionen von der evangelischen Kirche auf Grundlage eines gemeinschaftlichen Lehrplans erteilt.

Fehrs: Jeder zweite Schüler mit Migrationshintergrund

Bischöfin Fehrs begrüßte das Vorhaben: „Jeder zweite Hamburger Jugendliche hat heute Migrationshintergrund.“ Bereits seit 30 Jahren habe die evangelische Kirche freiwillig Vertreter anderer Weltreligionen in die Gestaltung des Religionsunterrichts für alle einbezogen. Es sei „großartig“, dass die Schüler künftig abwechselnd von Lehrkräften unterschiedlicher Religionsgemeinschaften unterrichtet würden. Das werde den Dialog weiter stärken. Sieben Jahre lang hatte die Schulbehörde mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften an drei Hamburger Schulen ein gemeinsames Unterrichtsmodell erprobt. Die katholische Kirche stand dem Projekt zunächst kritisch gegenüber. Das Erzbistum hält aber das neue Modell für „anschlussfähig“ und wird sich an neun Schulen probeweise für die Dauer von drei Jahren daran beteiligen.

Pastor Rüß: Christlicher Glaube wird relativiert

Pastor Ulrich Rüß (Hamburg), Vorsitzender der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in der Nordkirche, sagte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, seine Organisation sehe das Projekt „äußerst kritisch“. Rüß: „Bei dieser Regelung stellt sich der christliche Glaube auf die gleiche Ebene mit anderen Religionen, relativiert ihn. Dabei kann in der multikulturell und multireligiös geprägten Gesellschaft kein Zweifel bestehen, dass das Christentum nach wie vor Mehrheitsreligion in der Stadt Hamburg und auch in ganz Deutschland ist.“ Kultur, Menschenrechte, Menschenbild und Rechtsprechung seien zutiefst geprägt durch den christlichen Glauben. Rüß: „Unsere Werte- und Moralvorstellungen sind ohne Christentum nicht denkbar.“ Zum Verständnis der Tradition sollte der Religionsunterricht mit dem Schwerpunkt christlicher Glaube deshalb Vorrang haben, so Rüß. Nach seinen Worten ist zudem die Kenntnis elementarer Glaubensgrundlagen des christlichen Glaubens notwendig, um dialogfähig zu sein. Doch schon jetzt gebe es hier markante Defizite: „Daher sollte die evangelische Kirche die Trägerschaft für den Religionsunterricht behalten.“