04.12.2019

Irak: Chaldäisch-katholische Kirche sagt Weihnachtsfeiern ab

Christen zeigen sich mit Opfern der Demonstrationen solidarisch

Bagdad (idea) – Die chaldäisch-katholische Kirche im Irak wird dieses Jahr keine öffentlichen Weihnachtsfeiern veranstalten. Wie ihr Patriarch, Kardinal Louis Raphael I. Sako (Bagdad), am 3. Dezember erklärte, tue man dies aus Respekt vor den Menschen, die bei den Protesten gegen die irakische Regierung ums Leben kamen oder verletzt wurden. „Es wird keine geschmückten Weihnachtsbäume in den Kirchen oder Straßen geben, keine Feste und keinen Empfang im Patriarchat“, so Sako. Man wolle damit gleichzeitig Solidarität mit dem betroffenen Familien zeigen. Seit Anfang Oktober demonstrieren in Bagdad und dem Süden des Landes – überwiegend in mehrheitlich von Schiiten bewohnten Gebieten – Regierungsgegner. Es sind die größten Proteste seit dem Sturz von Saddam Hussein 2003. Die Demonstranten fordern eine neue Regierung, aber unter Ausschluss der etablierten Parteien. Sie werfen ihnen Korruption, Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch vor. Am 29. November trat Premierminister Adel Abdel Mahdi aufgrund der Proteste zurück. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP starben bislang fast 430 Menschen bei den Unruhen und 20.000 wurden verletzt. Im Zuge der zeitweiligen Eroberung vieler Teile des Iraks durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) flohen viele Christen aus dem Land. Nach Angaben Sakos gab es vor 2003 etwa 1,9 Millionen Christen im Irak. Derzeit sollen es weniger als eine halbe Million sein. Die chaldäisch-katholischen Christen sind eine der größten christlichen Gemeinschaften im Land.

siehe auch AKREF vom 4.12.19