08.11.2019

Deutschland: AfD-Mitglied darf nicht als Laienprediger predigen

Joachim Lauk darf nicht länger als Prädikant im Bezirk Herrenberg predigen

Herrenberg (idea) – Weil er das Vertrauen der Gemeinden in seinem Kirchenbezirk verloren haben soll, ist dem 72-jährigen AfD-Mitglied Joachim Lauk die in diesem Jahr anstehende Wiederbeauftragung als Prädikant im württembergischen Kirchenbezirk Herrenberg verweigert worden. Das bestätigte der zuständige Dekan des Kirchenbezirks, Eberhard Feucht (Herrenberg), gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Der Grund hierfür sei nicht Lauks AfD-Mitgliedschaft an sich. Auch an dessen Verkündigung hätten er und der Kirchenbezirksausschuss nichts auszusetzen. Allerdings habe sich Lauk in mehreren Leserbriefen unter Verwendung von Begriffen wie „Merkel-Regime“ und „Stimmvieh“ zum aktuellen politischen Geschehen geäußert. Lauk selbst hat den Gebrauch dieser Begriffe gegenüber idea bestätigt. Da sich die Prädikanten jedoch verpflichteten, so Feucht, auch in ihrem Alltag der Würde ihres Amtes gerecht zu werden, sei es eben nicht gleichgültig, in welcher Weise sie sich abseits ihres Dienstes äußerten.

Dekan und Kirchenbezirksausschuss verweigern die Wiederbeauftragung

Fünf von 23 Gemeinden, für die Lauk zuständig gewesen sei, hätten sich gegen seine Wiederbeauftragung, die nach sechs Jahren erneut angestanden habe, ausgesprochen. Sie sei ihm deshalb dieses Mal verweigert worden, so Feucht. Das habe er in Abstimmung mit dem Kirchenbezirksausschuss beschlossen, nachdem Lauk von diesem Gremium angehört worden war. Grundlage dieser Entscheidung sei die Prädikantenordnung, die vorsehe, dass ein Prädikant das Vertrauen der Gemeinde haben müsse. Da das nicht mehr gewährleistet sei, habe er die Wiederbeauftragung verweigern müssen. Diese Entscheidung sei „also demokratisch und nachvollziehbar“ getroffen worden.

Lauk: An meiner Verkündigung hatte nie jemand etwas auszusetzen

Der Betroffene selbst sagte gegenüber idea, dass ihm vor dem Kirchenbezirksausschuss mehrmals versichert worden sei, dass es an seiner Verkündigung und auch an der Gestaltung der Gottesdienste während der 40 Jahre seines Dienstes nie etwas auszusetzen gegeben habe. „Einige wenige Pfarrer und Kirchengemeinderäte“ hätten sich an seinen Leserbriefen gestört, in denen er sich „mitunter pointiert zu aktuellen Themen der Politik geäußert“ und sein „grundgesetzlich verbürgtes Recht auf freie Meinungsäußerung“ in Anspruch genommen habe. Diese Pfarrer und Laien hätten daraufhin begonnen, „Stimmung gegen mich zu machen und meine Verbannung von der Kanzel zu fordern“.

Über 40 Jahre im Dienst der Landeskirche

Der langjährige Prädikant wurde nach eigenen Angaben bereits im Jahr 1978 als Lektor beauftragt und hat seit 1991 im Kirchenbezirk Herrenberg gepredigt, getauft und das Abendmahl ausgeteilt. Außerdem sei er inzwischen bereits in mehreren Kirchengemeinden Mitglied im Kirchenvorstand gewesen und habe über einen Zeitraum von 30 Jahren der Evangelischen Michaelsbruderschaft angehört. Am 27. Oktober hielt Lauk seine letzte Predigt in Oberjesingen, einem Ortsteil von Herrenberg. Dazu waren der stellvertretende Vorsitzende der „Christen in der AfD“, der Europaabgeordnete Joachim Kuhs (Baden-Baden), sowie der Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier (Weil der Stadt) angereist, die ihrem Parteikollegen ihre Solidarität bekundeten.

Lauk: Die Intoleranz der „Toleranten“

Lauk kritisierte bei dieser Gelegenheit, dass ihm fünf von den 23 Gemeinden, die er zuletzt betreut habe, ein Kanzelverbot erteilt hätten, obwohl sie seine Verkündigung nicht beanstandeten. Er solle sein Amt also allein aufgrund seiner politischen Überzeugungen verlieren. In diesem Zusammenhang sei es „besonders erstaunlich“, dass sich diejenigen, die sonst von ihren Mitmenschen immer Toleranz einforderten, ihm gegenüber als intolerant erwiesen. Er müsse sich nun fragen, wo eine „Alternative zu der Kirche“ zu finden sei, in die er hineingeboren worden sei und in der er bisher seine „geistliche Heimat“ gesehen habe. Es stimme ihn zudem traurig, dass gleichzeitig „Pfarrer und Theologieprofessoren das Evangelium leichthin in wesentlichen Teilen zur Legende erklären“ dürften „bis hin zur Leugnung der Auferstehung und damit zur Infragestellung des Erlösers Jesus Christus“. Selbst die beiden höchsten Repräsentanten der beiden großen Kirchen, der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx (beide München), hätten am 20. Oktober 2016 „unseren Herrn verraten“, indem sie bei ihrem Besuch in Jerusalem ihre Amtskreuze „versteckt“ hätten. Er habe jedoch nie gehört, dass die beiden dafür hätten „Buße tun müssen oder gar aus ihren Ämtern gemobbt worden seien wie jüngst der sächsische Landesbischof Carsten Rentzing“.