09.11.2019
Geistliche starten Hilfsaktion für abgeschobenen Libyer
Ehemaliger Kirchenasylant wurde kurzfristig von Berlin nach Mailand geschickt
Berlin/Mailand (idea) – In einer außergewöhnlichen Hilfsaktion haben sich Pastoren, Priester und ein Rabbi in Deutschland und Italien für einen abgeschobenen Libyer eingesetzt. Wie der Pastor der baptistischen Friedenskirche Charlottenburg, Hendrik Kissel (Berlin), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea mitteilte, hatte der Muslim Faouzi A. zunächst bis Ende 2018 als Kirchenasylant in der Baptistengemeinde gelebt. Danach war er in einer Wohnung der Friedenskirche untergebracht. Bei seiner Vorsprache auf der Ausländerbehörde in Berlin sei der Libyer jedoch überraschend von der Polizei in Gewahrsam genommen und bereits drei Stunden später mit dem Flugzeug ins italienische Mailand gebracht worden. Kissel telefonierte daraufhin umgehend mit einem katholischen Krankenhausseelsorger. Dieser habe mit Hilfe des katholischen Priesters der Flughafenkapelle in Mailand erreicht, dass Faouzi A. ausnahmsweise die erste Nacht innerhalb des Flughafengebäudes verbringen durfte. Am nächsten Morgen hätten sich baptistische Pastoren um Faouzi gekümmert. Einen Tag später schließlich habe sich der Rabbi Akiva Weingarten von der Jüdischen Synagogengemeinde gemeldet, die in der Berliner Friedenskirche zur Untermiete untergebracht ist, und ebenfalls seine Unterstützung angeboten. Als Weingarten aber von der herzlichen Aufnahme durch die Mailänder Baptistengemeinde hörte, kündigte er an, ihr aus Dankbarkeit etwas Geld zu senden. Auch weitere Mitglieder der jüdischen Gemeinde hätten sich dieser Unterstützungsinitiative angeschlossen. Ob Faouzi A. in Italien Asyl erhält, soll nun bei einem ersten Anhörungstermin am 14. November in Turin beraten werden.