09.12.2019

Deutschland: Schulen zu religionsfreien Orten zu machen löst keine Konflikte

Antidiskriminierungsbeauftragter rät zu Vielfalt statt Ausgrenzung

Berlin (idea) – Wenn Schulen zu religionsfreien Orten werden sollen, um religiös motivierte Konflikte zu lösen, ist das der falsche Weg. Diese Ansicht vertrat der Antidiskriminierungsbeauftragte für Berliner Schulen, Dervis Hizarci (Berlin), gegenüber dem „Tagesspiegel“. Demnach führe die Maßnahme vielmehr zu einer deutlichen Verschlechterung des Schulklimas. So entsteht Hizarci zufolge der Eindruck, dass Religionen und Religionsgruppen abgelehnt würden. „Abgesehen davon, dass es verfassungswidrig ist, löst man so keine Konflikte.“ Verantwortliche sollten stattdessen besser einen guten Umgang mit religiöser und weltanschaulicher Vielfalt vermitteln. Das sei möglich, indem wertschätzende Toleranz vorgelebt und auch die Eltern als Mitstreiter angesehen werden, so Hizarci, der Lehrer für Politik sowie Geschichte ist.

Hizarci: Jugendliche nicht gleich als Antisemiten abstempeln

Wie er berichtet, wenden sich täglich mehrere Menschen an ihn. „Diskriminierungen finden dauernd statt und sind eine alltägliche Realität.“ Insbesondere der Antisemitismus erfahre aktuell eine besorgniserregende Normalität. So würden beispielsweise in Jugendchats immer häufiger Nazisymbole und -parolen ausgetauscht. „In Berlin haben wir außerdem eine große Zahl an arabischen Communities, in denen Israel in den Herkunftsländern weiter dämonisiert wird“, so der Pädagoge. Auch darin bestehe Potenzial für Antisemitismus. Um die Jugendlichen dieser Gemeinschaften zu erreichen, empfiehlt Hizarci, sie nicht gleich als Antisemiten abzustempeln, sondern ihren Biografien mit Wertschätzung und Unvoreingenommenheit zu begegnen. Ein weiterer Aspekt sei es, ihnen die Möglichkeit zu Fragen zu geben und die Arbeit dabei nicht allein auf den pädagogischen Umgang zu reduzieren. „Die Lehrkräfte müssen ihre eigene Voreingenommenheit und ihre Vorurteile – auch diesen Jugendlichen gegenüber – reflektieren.“ Hizarci gehört zum Beraterkreis des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein.