10.12.2019
Burkina Faso: Radikale Islamisten wollen Frieden zerstören
14 Christen bei einem Anschlag auf eine Kirche getötet
siehe auch Artikel von AKREF am 2.12.19
Wetzlar (idea) – Die Anschläge auf Kirchen in Burkina Faso sind ein Versuch radikaler islamistischer Gruppierungen, Zwietracht unter den religiösen Gemeinschaften des westafrikanischen Landes zu streuen. Diese Ansicht vertritt der leitende Analyst für die Sub-Sahara-Region des christlichen Hilfswerks Open Doors, Illia Djadi. Wie der aus dem Niger stammende ehemalige BBC-Journalist gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) erklärte, ist Burkina Faso – anders als benachbarte Länder – lange Zeit ein Positivbeispiel für das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Religionen gewesen. Das ändere sich seit einiger Zeit zunehmend. Immer häufiger würden Christen Ziel von Entführungen und Anschlägen durch Islamisten. Der jüngste ereignete sich am 1. Dezember: Schwerbewaffnete stürmten den Gottesdienst einer protestantischen Kirche in Hantoukoura im Osten des Landes nahe der Grenze zu Niger. Die bislang unbekannten Täter schleppten die Männer vor das Gebäude und töteten sie dort. Fünf der 14 Opfer waren Jugendliche, der Jüngste erst zwölf Jahre alt. Auch der Pastor ist unter den Getöteten. Bei der Gemeinde handele es sich um eine Neugründung mit nur 30 Mitgliedern, so Djadi. Die Kirche gehört zum internationalen Missionswerk „Serving in Mission“ (SIM/Dienen in der Mission) und hat sich der Evangelischen Allianz des Landes angeschlossen. Es ist der neunte Anschlag dieser Art im Jahr 2019. Mindestens 41 Christen starben bislang.
Nicht nur Christen betroffen
Der jüngste Anschlag habe die gesamte Region verunsichert, so Djadi. Tausende seien daraufhin geflohen. Mehr als 10.000 Menschen hätten sich in Fada N´Gourma, der Hauptstadt der östlichen Region Burkina Fasos, als Flüchtlinge registriert. Djadi zufolge versucht die Regierung der aufgrund islamistischer Gewalt zunehmend instabilen Sicherheitslage im Land Herr zu werden und Christen mit allen Kräften vor weiteren Angriffen zu schützen. So seien direkt nach dem Anschlag Sicherheitskräfte in der Region eingestellt worden. Häufig seien sie jedoch mit der Situation überfordert. Fast täglich fänden Anschläge in unterschiedlichen Regionen des Landes statt und brächten die Sicherheitskräfte damit an ihre Belastungsgrenzen. Laut Djadi betrifft die Zunahme von Übergriffen in Burkina Faso nicht nur Christen, sondern auch moderate Muslime und Bildungseinrichtungen. Grund dafür sei, dass sie die Ideologie und strenge Interpretation des Korans der Islamisten nicht teilten. Lehrer würden von Islamisten gedrängt, den Unterricht statt auf Französisch auf Arabisch anzubieten. Immer wieder würden Lehrer getötet.
Terrorismus durch Gaddafi-Sturz ausgelöst
Die zunehmende Gewalt ist aus Sicht Djadis die Folge eines breiteren Klimas der Unsicherheit, das die gesamte Sahelzone betrifft: „Der Sturz von Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 hat in Libyen ein Machtvakuum geschaffen, das zu einem sicheren Hafen für terroristische Gruppen, aber auch zu einem offenen Markt für Waffen aller Art geworden ist.“ Nach der Ermordung al-Gaddafis sei es zur Besetzung des nördlichen Mali durch bewaffnete Gruppen gekommen, einschließlich islamistischer Gruppen, die mit Al-Kaida oder dem sogenannten Islamischen Staat (IS) verbunden seien. Diese Gruppen führten grenzüberschreitende Überfälle im benachbarten Niger und in Burkina Faso durch. „In den letzten Monaten ist Burkina Faso zum neuen Epizentrum des islamistischen Aufstands im Sahel geworden, wobei einige Gruppen nun auch aus Burkina Faso heraus operieren.“
Evangelische Allianz ruft zu gemeinsamem Gebet auf
Politiker und Kirchenvertreter bemühen sich indessen um Einheit: Nur einen Tag nach dem Anschlag in Hantoukoura besuchte der Premierminister des Landes, Christophe Joseph Marie Dabiré, den Präsidenten der Föderation der evangelischen Kirchen und Missionen, Pastor Henri Ye (Ouagadougou), um sein Beileid auszusprechen. In einer Pressemitteilung lud Ye alle Kirchen im Land dazu ein, gemeinsam für die Wiederherstellung von Frieden und Ruhe zu beten. Mit dem Anschlag sei die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit mit Füßen getreten worden. Von den rund 19 Millionen Einwohnern Burkina Fasos sind 60 Prozent Muslime und 25 Prozent Christen.
auf Barnabasfund lesen Sie die Namen der Ermordeten