10.12.2019

Deutschland: Zum Papier „Christen und Muslime“

Landesbischof: Cornelius-Bundschuh äußerte sich: Die Realität interreligiöser Beziehungen wahrnehmen

Karlsruhe (idea) – Zur deutschen Gesellschaft gehört eine wachsende Zahl von Muslimen. Die Christen müssen lernen, mit dieser Realität angemessen umzugehen. Diese Ansicht vertrat der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe), bei einem Kamingespräch mit Journalisten in Karlsruhe am 9. Dezember. Aus diesem Grund halte er den Gesprächsprozess, den der Oberkirchenrat durch die im Juli 2018 erfolgte Veröffentlichung des Gesprächspapiers mit dem Titel „Christen und Muslime“ angestoßen habe, für dringend überfällig. Zum Hintergrund: Das Papier soll Impulse für den interreligiösen Dialog geben. Es orientiert sich nach Angaben der Kirche am Gedanken der christlich-muslimischen Weggemeinschaft. Zum Gottesverständnis heißt es: „Wir verehren als Christen und Muslime den einen Gott, den wir Christen dreieinig bekennen.“ Cornelius-Bundschuh zufolge wird es zukünftig immer mehr Beziehungen geben, in denen ein Partner dem evangelischen und der andere dem islamischen Glauben angehöre. Aktuell seien solche Paare meist weder in der einen noch in der anderen Religion wirklich beheimatet: „Soll die Kirche sie weiterhin allein mit solchen Fragen lassen oder sich damit befassen?“ Es gehe nun darum, eine Standortbestimmung der Landeskirche mit Bezug zum Islam vorzunehmen.

Kritiker und Befürworter einbeziehen

Wie der Leiter des Referats für „Verkündigung in Gemeinde und Gesellschaft“, Oberkirchenrat Matthias Kreplin (Karlsruhe), gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea erläuterte, ist es nicht das Ziel des Gesprächsprozesses, um jeden Preis ein Ergebnis zu erzielen, über das die Synode dann im kommenden Jahr abstimme. Sowohl Kritiker als auch Befürworter des Gesprächspapiers erarbeiteten momentan gemeinsam ein Grundsatzpapier von „wenigen Seiten“, das die wichtigsten Aussagen des Gesprächspapiers zusammenfassen solle. Es werde dann 2020 der Synode vorgelegt. Durch die Einbeziehung beider Seiten solle ein möglichst breiter Konsens gefunden werden, damit es nicht zu Verwerfungen innerhalb der Landeskirche komme, so Kreplin. Das Papier war auf breite Kritik gestoßen. Der Missions- und Religionswissenschaftler Prof. Henning Wrogemann (Wuppertal) etwa schrieb im Deutschen Pfarrerblatt, es sollte Anlass zu ernsthafter Besorgnis geben, dass „ein solches Papier im Namen einer Kirchenleitung herausgebracht“ wurde. Das Papier weise die Tendenz auf, christliche Inhalte auf ein koranisch-islamisches Verhältnis umzudeuten. Das komme dem Rückzug in ein „religionspluralistisches Wolkenkuckucksheim“ gleich. Der stellvertretende Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), kritisierte, dass Christen, die etwa am exklusiven Wahrheitsanspruch von Jesus Christus festhalten und das Konzept der „Weggemeinschaft“ ablehnten, negativ dargestellt würden. Über Andersdenkende „finden sich vor allem negative psychologische und charakterliche Beurteilungen und Einsortierungen“. Sein Fazit: „So bleibt zu hoffen, dass das Gesprächspapier nochmals grundlegend überdacht wird, es zu einem ernsthaften Gespräch aller theologischen Richtungen in der Kirche kommt und all das dann auf die tatsächlichen Bedürfnisse in Sachen Dialog der Kirchengemeinden vor Ort zugeschnitten wird.“