14.11.2019
Zentralasien: Christen unter starkem Druck
Türkei, Saudi-Arabien und der Iran fördern Erstarken des Islams
Schwäbisch Gmünd (idea) – Auch wenn sich in einigen Ländern Zentralasiens die Lage von Christen leicht verbessert hat, leiden sie dort immer noch unter starkem Druck. Das berichtete eine Christin aus der Region auf dem Kongress „Christenverfolgung heute“, der vom 10. bis 13. November in Schwäbisch Gmünd stattfand. Ihr Name wurde aus Sicherheitsgründen nicht genannt. Die Frau stammt aus einer muslimischen Familie in Zentralasien, wurde in Moskau Christin und aufgrund ihres Glaubens von ihrer Familie lange Zeit abgelehnt. Wie sie sagte, investierten seit dem Ende der Sowjetunion Länder wie die Türkei, Saudi-Arabien und der Iran in das Wiedererstarken des Islams in den zentralasiatischen Staaten. Dies geschehe etwa durch den Neu- und Wiederaufbau von Moscheen und die Finanzierung von Wallfahrten nach Mekka. „Gerade junge Menschen kamen radikalisiert wieder.“ Die stärkste Radikalisierung sei in Kirgisistan zu verzeichnen gewesen. Aus Angst vor dieser Tendenz hätten daraufhin viele der Länder in dieser Region strenge Religionsgesetze erlassen, die diese Entwicklung eindämmen sollen. Auch Christen seien von diesen Restriktionen betroffen. So sei es in einer Reihe von Staaten Zentralasiens verboten, christliche Verteilschriften, Bibeln oder Bücher zu verbreiten, über den christlichen Glauben zu sprechen oder Gottesdienste und Sonntagsschulen abzuhalten. Religiöse Literatur werde von den Regierungen streng kontrolliert.
Leichte Verbesserung in Usbekistan
Mit der Wahl des neuen Präsidenten in Usbekistan, Shavkat Mirziyoyev, im Jahr 2016 sei eine leichte Verbesserung der Situation der Christen und ihrer Gemeinden zu beobachten. Im Oktober hätten zudem sieben russischsprachige Gemeinden eine staatliche Registrierung erhalten, so dass sie nun legal Gottesdienst abhalten können. Es handele sich bei allen um Gemeinden, denen die Regierung ihre Registrierung vor 15 Jahren entzogen habe. Bislang habe die Regierung keine einzige Gemeinde mit usbekischen Mitgliedern gesetzlich anerkannt. Ihr Bruder, so die Christin, versuche bereits seit 30 Jahren, eine Erlaubnis für seine Gemeinde – bestehend aus Usbeken und Tadschiken – zu erhalten. In Usbekistan und Tadschikistan sei die Verfolgung ähnlich stark. In Kasachstan hätten Christen mehr Freiheiten. In Kirgisistan unterscheide sich der Grad der Verfolgung regional, je nach Radikalität des jeweils gelebten Islams. In Turkmenistan wisse man nur wenig über die dort lebenden Christen. Das Land sei praktisch geschlossen.
„Ehrenmorde“ an Konvertitinnen
Christliche Konvertiten würden häufig von ihren muslimischen Familien angefeindet. Diese betrachteten den Glaubensübertritt als Schande. Immer wieder komme es in Zentralasien bei Frauen, die Christinnen werden, zu sogenannten „Ehrenmorden“ durch die Familien. Sie ließen die Taten wie Selbstmorde aussehen. Frauen seien ohnehin in der islamischen Gesellschaft Zentralasiens Menschen zweiter Klasse. Männliche Konvertiten würden häufig misshandelt und aus der Familie verstoßen. Auch Bestattungen stellten für Christen muslimischer Herkunft ein großes Problem dar. Es gebe gerade auf dem Land nur islamische Friedhöfe, und die Großfamilien beständen auf eine Beisetzung im Familienkreis. Immer wieder weigerten sich Imame, ehemalige Muslime zu beerdigen. Sie forderten teilweise eine Erklärung der Verwandten, die Person sei kurz vor ihrem Tod zum Islam zurückgekehrt. Imamen, die eine Beerdigung trotzdem erlaubten, drohe die Entlassung. Gerade für alte Usbeken sei dies ein großer Hinderungsgrund, Christen zu werden. Zu stark sei die Angst davor, ihre Verwandten könnten nach ihrem Tod Probleme mit ihrer Beerdigung bekommen.