17.11.2019

Deutschland: Ein Chinese wird Christ

Ein Porträt von idea-Redakteur Klaus Rösler

(idea) In einer Landeskirche wäre er stellvertretender Regionalbischof. Aber der Chinese Yaoyu Xu (Waldkraiburg) ist Freikirchler – und amtiert deshalb „nur“ als stellvertretender Leiter des Landesverbandes Bayern im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden) – ehrenamtlich. Ein Beispiel für eine gelungene Integration in Deutschland. 
Yaoyu Xu (57) stammt aus dem Süden Chinas. Er war überzeugter Kommunist. 1988 wurde er vom Staat ausgewählt, um zwei Jahre lang in Deutschland zu studieren. Sein Auftrag: Er sollte sich so viel Wissen aneignen wie möglich, um dann am technologischen Aufbau Chinas mitzuwirken.

Massaker in Peking

Während er in Deutschland war, protestierten in China Studenten für mehr Freiheit. Am 4. Juni 1989 eskalierte die Lage. Die kommunistische Regierung beendete die Proteste der Demokratiebewegung auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ in Peking gewaltsam. Schätzungen zufolge kamen dabei bis zu 3.000 Menschen ums Leben. Hunderte wurden verhaftet. Die Berichte über das Massaker hatten für Yaoyu Xu in Deutschland Folgen: Sein Glaube an den Kommunismus zerbrach. Er konnte nicht länger an die Staatsdoktrin von einer Nation, geprägt von Gleichheit, Glück und Zufriedenheit für alle, glauben. Klar war ihm: Nach China kehrst du nicht zurück. Er fing an, über den Sinn des Lebens nachzudenken. In dieser Lage wurde er von einem Bekannten eingeladen, die Bibel zu lesen. Das tat er. Dadurch grübelte er wochenlang über die Frage nach, ob es Gott wirklich gibt. Schließlich versuchte er es mit einem einfachen Gebet: „Himmlischer Vater, ich danke dir.“ Das hatte Folgen. Er spürte ein unbekanntes Gefühl der Freude in sich. Doch es gab noch kein Happy End. Denn je mehr er über Gott im Alten Testament las, umso mehr fürchtete er sich vor ihm. Yaoyu Xu war klar, dass er als Sünder letztlich vor dem heiligen Gott nicht bestehen konnte. Schließlich hörte er in einer Gemeinde ein Lied, in dem es in einer Strophe heißt: „Es ist Kraft in dem Blut“. Es geht darin um die Erlösung durch Jesus Christus. Das ging ihm durchs Herz. Er wusste, dass Gott ihm vergeben hatte.

Eine Gebetserhörung mit Folgen

Seine Ehefrau Qiuhua ist ebenfalls Christin. Er hatte die Betriebswirtin vor seiner Ausreise nach Deutschland kennengelernt. Nach der Niederschlagung der Demokratiebewegung lud er sie ein, zu ihm nach Deutschland zu kommen. Doch alle Versuche, an die nötigen Papiere zu gelangen, scheiterten. Da erinnerte sie sich daran, dass sie als 12-Jährige einmal eine Kirche besuchen wollte, die Familie ihr das aber verboten hatte. Nun wandte sie sich an den Gott der Christen: „Wenn es dich gibt, hilf mir.“ Zwei Wochen später bekam sie die Dokumente. Und beschloss, Christin zu werden. 1990 heirateten die beiden. Sie zogen nach Siegen, wo Yaoyu Xu Maschinenbau studierte.

Auch Verwandte wurden Christen

Sie hielten sich zur Freien evangelischen Gemeinde im Ortsteil Geisweid. Dort wurden sie 1996 getauft. Nach dem Studium zogen sie aus beruflichen Gründen nach Bayern um. Yaoyu Xu arbeitete als Projektleiter in einem Unternehmen, das Öl- und Gasunternehmen betreut. Die Familie, zu der zwei erwachsene Söhne gehören, schloss sich in Waldkraiburg den Baptisten an. Zunächst wurde Yaoyu Xu dort zum Diakon berufen, später zum Ältesten. 2018 wurde er in den Landesverband gewählt, zu dem 61 Gemeinden mit über 6.100 Mitgliedern gehören. Seit diesem Jahr amtiert er als stellvertretender Landesverbandsleiter. Inzwischen sind auch viele Verwandte in China Christen geworden: „Das ist ein Wunder Gottes.“