24.11.2019

Deutschland: Iranische Konvertiten fürchten bei Abschiebung um ihr Leben

Gladbeck: Pfarrerin kritisiert „Glaubensprüfungen“ durch Behörden

Gladbeck/Bottrop (idea) – Konvertiten aus dem Irak und dem Iran fürchten um ihr Leben, wenn sie in ihr Heimatland abgeschoben werden. Das sagte Ruhestandspfarrerin Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup (Gladbeck) vor der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten in Bottrop. In den Gemeinden des Kirchenkreises seien in den letzten Jahren rund 200 vorwiegend muslimische Flüchtlinge getauft worden. Die meisten von ihnen kämen aus dem Iran und dem Irak. Sie hätten in ihrer Heimat oft bereits Kontakt zu christlichen Hauskirchen gehabt, die von den Behörden ausgehoben worden seien. Sie seien gewarnt worden, dass die Polizei nach ihnen suche. In diesen Ländern werde der Abfall vom Islam mit dem Tod bestraft. Die Konvertiten seien erst nach ausführlicher Unterrichtung und Vorbereitung getauft worden. Die Pfarrer hätten sorgfältig geprüft, wie ernst es den Taufwilligen sei. Trotzdem lehne das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) immer mehr Asylanträge von ihnen wegen angeblicher „Unglaubwürdigkeit“ ab. Die „Glaubensprüfungen“ durch die Behörden seien teilweise grotesk, so die Theologin. Durch sie werde der Grundsatz verletzt, „dass in Glaubensfragen die Kirche zuständig ist und nicht der Staat“.

Übertritt zum Christentum erfolgt meist aus echter Überzeugung

Muslimische Flüchtlinge treten nur in wenigen Fällen aus asyltaktischen Gründen zum Christentum über. Das sagte der Pfarrer der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Gottfried Martens (Berlin-Steglitz), gegenüber der „Welt am Sonntag“. In den meisten Fällen beruhe die Konversion aus echter Überzeugung. Sie habe für die früheren Muslime weitreichende Konsequenzen. So müssten sie damit rechnen, in Flüchtlingsunterkünften von Islamisten bedroht und von ihren Familien ausgeschlossen zu werden. Martens hat nach eigenen Angaben über 1.000 muslimische Flüchtlinge getauft. Von den 1.650 Mitgliedern seiner Gemeinde seien rund 1.500 Zuwanderer. Er taufe nicht leichtfertig, sagte der Geistliche. Taufwillige müssten mehrere Monate lang einen wöchentlichen Taufunterricht besuchen und in einer abschließenden Prüfung glaubhaft vermitteln, warum sie Christ sein wollten. Rund 20 Prozent der Anwärter könnten ihn dabei nicht überzeugen.