31.10.2019

Pakistan: Ein Leben für verfolgte Christen

Treffen mit Aneeqa Maria Anthony in Schwäbisch Gmünd

Ein Leben für verfolgte Christen

(idea) Die pakistanische Menschenrechtsanwältin Aneeqa Maria Anthony und ihre Familie leben in ständiger Gefahr. Die 38-Jährige kämpft zusammen mit ihrem Mann Schahid für die Rechte von bedrängten Christen in Pakistan. Mehrfach wollten fanatische Muslime sie dafür schon umbringen. Ein Porträt von idea-Redakteurin Erika Gitt

Behütet aufgewachsen, war für Aneeqa Maria Anthony mit 14 Jahren auf einmal alles anders. Zuvor besuchte die Katholikin in dem muslimischen Land eine christliche Schule, war überwiegend von Christen umgeben. Doch mit 14 Jahren begann die hochbegabte Jugendliche zu studieren. Ein Kulturschock. Nun war sie die einzige Christin und traf plötzlich auf Muslime, die sie aufgrund ihres Glaubens anfeindeten und sie drängten, doch Muslima zu werden. „Ständig diskutierten sie mit mir. Es war nicht immer leicht, höflich abzulehnen.“ Ihr war bewusst: Jeder Streit könnte zu Blasphemievorwürfen gegen sie und damit zu einer Anklage sowie einer langjährigen Gefängnis- wenn nicht gar zu einer Todesstrafe führen.

Jura statt Literatur

Diese Auseinandersetzungen gingen nicht spurlos an der jungen Frau vorbei. Nach ihrem Master-Abschluss in Englischer Literatur entschloss sie sich, Jura zu studieren, anstatt an einer christlichen Schule zu unterrichten: „Ich wollte keine sichere Arbeitsstelle mehr. Ich wollte nun anderen Glaubensgeschwistern helfen, die wegen angeblicher Gotteslästerung in Bedrängnis sind.“

Lebensgefahr vom ersten Tag an

Anthony erfuhr schnell, wie gefährlich ihr Leben sein würde als weibliche Anwältin, die sich für Christen einsetzt. „Als ich auf dem Weg zu meinem ersten Mandanten war, stoppte ein wütender muslimischer Mob mein Auto.“ Dass nichts Schlimmeres passierte, sei dem Segen Gottes zu verdanken. Mehrach versuchten radikale Muslime, sie zu töten. Ein Imam versprach demjenigen, der sie oder ihre Familie umbringt, ein Leben im Paradies. Zwei Mal musste sie wegen Morddrohungen ins Ausland fliehen und auch zeitweilig mit ihrer Familie in ihrem Heimatland Pakistan untertauchen.

Immer mit dem Herzen dabei

Die mutige Anwältin hat allein in diesem Jahr über 80 Christen und Angehörige anderer Minderheiten verteidigt. Auf die Frage, ob ihr einer besonders ans Herz gegangen ist, wird sie sehr nachdenklich: Eigentlich berührten sie alle Schicksale sehr. Aber der Christin Schamim Bibi fühle sie sich besonders verbunden, „weil sie – wie ich damals – kurz zuvor zum ersten Mal Mutter geworden war und unsere Kinder etwa gleich alt waren“. Schamim war 2012 von einem Imam wegen angeblicher Gotteslästerung angezeigt worden. Wahrscheinlich hatten ihre muslimischen Verwandteng den Geistlichen dazu angestiftet, weil die junge Frau zuvor nicht zum Islam übertreten wollte. 2015 wurde sie aufgrund des Einsatzes von Anthony freigesprochen.

In Gottes Händen

Manchmal fällt es der Anwältin schwer, ihre Arbeit fortzusetzen: „Wenn das Leben meiner Kinder gefährdet ist und wir uns wieder einmal verstecken müssen, will ich manchmal alles aufgeben. Doch dann denke ich an all die Menschen, denen wir helfen. Ich kann sie nicht einfach im Stich lassen.“ Auch wenn die Lage für Christen in Pakistan zunehmend schlimmer werde, gebe es noch Möglichkeiten zu handeln: „Gott will mich gebrauchen. Deshalb arbeite ich weiter, lege mein Leben und meine Nöte in seine Hände. Er hat mich noch nie enttäuscht.“

Treffen Sie Aneeqa Maria Anthony in Schwäbisch Gmünd
Aneeqa Maria Anthony wird beim Kongress „Christenverfolgung heute“ vom 10. bis 13. November 2019 in Schwäbisch Gmünd über ihre Arbeit berichten. Der Kongress wird von der Evangelischen Nachrichtenagentur idea und vom Christlichen Gästezentrum Württemberg (Schönblick) veranstaltet.

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