04.12.2024
Großbritannien: Evangelische Allianz kritisiert Sterbehilfe-Beschluss
Die Parlamentsmehrheit hat sich für eine Legalisierung ausgesprochen
London (IDEA) – Mit scharfer Kritik haben Vertreter der Evangelischen Allianz und der Kirchen in Großbritannien auf einen Beschluss des Unterhauses (Parlament) reagiert, Sterbehilfe zu legalisieren. Die Abgeordneten stimmten in Erster Lesung mehrheitlich für einen Gesetzentwurf, der assistierten Suizid unter bestimmten Auflagen erlaubt. Er soll für Erwachsene mit einer Lebenserwartung von weniger als sechs Monaten möglich sein. Zwei Ärzte und ein Richter müssen zustimmen. Ein Mediziner, der die Zustimmung aus Gewissensgründen ablehnt, muss Sterbewillige an einen Kollegen vermitteln, der dazu bereit ist. Bisher gilt Beihilfe zum Suizid als Straftat, die mit bis zu 14 Jahren Haft bestraft werden kann. Das Votum des Parlaments gilt als ein entscheidender Erfolg für die Befürworter der Legalisierung. Allerdings kann der Gesetzentwurf bis zur zweiten Lesung noch geändert werden. Außerdem muss auch die zweite Parlamentskammer, das Oberhaus, zustimmen. Das Gesetz würde nur in England und Wales gelten, nicht in Schottland und Nordirland.
Evangelische Allianz: Gesetz wird Selbstmord „normalisieren“
Der Geschäftsführer der Evangelischen Allianz im Vereinigten Königreich, Gavin Calver (London), warnte in einer Mitteilung davor, das Gesetz werde „den Selbstmord in unserer Gesellschaft als positive Option normalisieren und die Schwächsten dem Risiko von Missbrauch und Zwang aussetzen“. Die Allianz werde sich weiter dafür einsetzen, dass es nicht in Kraft tritt. „Viele derjenigen, die für den Gesetzentwurf gestimmt haben, äußerten Bedenken hinsichtlich der Sicherheitsvorkehrungen und der Praktikabilität des Gesetzes. In den kommenden Monaten, in denen der Gesetzesentwurf weiter geprüft wird, werden wir uns weiter engagieren und die Abgeordneten zur Rechenschaft ziehen, wenn sich ihre Hoffnungen auf Verbesserungen des Gesetzes nicht erfüllen.“ Die anglikanische Bischöfin von London, Sarah Mullally, erklärte, dass der „Schutz der Schwächsten“ im Mittelpunkt des kommenden parlamentarischen Prozesses stehen müsse. Die jüngste Abstimmung markiere nicht das Ende der Debatte. Für die Kirche von England sei die Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Palliativpflegediensten für alle, die sie benötigen, die richtige Reaktion auf den Sterbewunsch von Menschen. Das Parlament habe mit seiner Entscheidung jedoch die Frage offengelassen, wie dies in einem überlasteten und unterfinanzierten Gesundheits-, Sozial- und Rechtssystem umgesetzt werden könne.
Katholische Kirche: Gebet für ein Scheitern des Gesetzentwurfs
Auch die katholische Bischofskonferenz von England und Wales lehnte eine Liberalisierung der Sterbehilfe ab. Der für Lebensrechtsfragen zuständige Bischof John Sherrington (London) bekundete seine Enttäuschung über die Entscheidung des Unterhauses. „Wir bitten die katholische Gemeinschaft, dafür zu beten, dass die Mitglieder des Parlaments die Weisheit haben, diesen Gesetzentwurf in einem späteren Stadium abzulehnen. Neben unserer grundsätzlichen Ablehnung des assistierten Suizids sind wir besonders besorgt über Klauseln im Gesetzentwurf, die Ärzte daran hindern, aus Gewissensgründen zu widersprechen, die Hospize und Pflegeheime, die sich nicht an der Suizidbeihilfe beteiligen wollen, unzureichend schützen und die es Ärzten erlauben, Gespräche über den assistierten Suizid zu initiieren