05.12.2024
Deutschland: Schuler - In Deutschland tobt ein Kulturkampf
Rund 600 Besucher kamen zu „Tagen der verfolgten Gemeinde“ in Karlsbad
Karlsbad (IDEA) – Nach Ansicht des Journalisten Ralf Schuler (Berlin) tobt in Deutschland ein „Kulturkampf um die Deutungshoheit über die Realität“. Das sagte der Redakteur des Nachrichtenportals NIUS bei den „Tagen der verfolgten Gemeinde“ in Karlsbad. Sie wurden zum dritten Mal im Bibelkonferenzzentrum „Langensteinbacher Höhe“ in Kooperation mit der Hilfsaktion Märtyrerkirche (HMK) veranstaltet. Sie standen unter dem Motto: „Stellt Euch dieser Welt nicht gleich“. An den einzelnen Veranstaltungen nahmen bis zu 600 Besucher teil. Schuler sagte, Politik, Öffentlichkeit und viele Menschen, die sich in den sozialen Medien artikulierten, formierten sich hinter einem bestimmten „Themenkanon“. Dieser umfasse so unterschiedliche Dinge wie „Queerfreundlichkeit“, Klimaneutralität, Migrationsoffenheit, Gendergerechtigkeit, Vegetarismus, Multikulturalismus, das „Recht auf Abtreibung“ oder den „Kampf gegen Rechts/AfD“. Dabei gebe es „kaum Brückenschläge“ zu Andersdenkenden. Strittige Meinungen würden in Debatten zunehmend ausgegrenzt. Beleg dafür sei die Klagewut vor allem linker und grüner Politiker gegen Medien und pointiert formulierte Meinungen im Netz. Sie werde mit dem juristisch schwammigen Vorwand des Kampfes gegen „Hass und Hetze“ gerechtfertigt. Die Theorie des „Keine-Bühne-Bietens“ und die Verbreitung von „Brandmauer“-Denken selbst in den Kirchen seien Indizien für eine spürbare Aufladung der Gesellschaft mit Aggression und Druck.
Hahne: Mit Jesus den Stürmen trotzen
Der Bestsellerautor und frühere ZDF-Moderator Peter Hahne (Berlin) erinnerte an die Worte Jesu über den Hausbau (Matthäus 7,24–27). Er mahnte die Teilnehmer, ihr Lebenshaus auf ein solides Fundament zu bauen. Alle rein menschlichen Grundlegungen seien unbeständig: „Sie haben an alles gedacht, nur nicht an die Flut.“ Wenn das Wasser komme, halte nur, was auf solidem Fundament errichtet sei. Hahne warf die Frage auf: „Auf welchen Grund, auf welchen Fels bauen wir? Und woran nehmen wir Maßstab für unser Leben?“. Sein Fazit: Gott habe den Christen die Bibel gegeben. Nur darin fänden sie den Maßstab für ihr Leben. Zerstörerischen Stürmen könne nur standhalten, wer auf Jesus Christus baue.
Iranischer Pastor: „Seid keine lauwarmen Christen!“
Der iranische Pastor F. (der Name wurde aus Sicherheitsgründen nicht genannt) beschrieb die erstaunliche Wirkung der Bibel in den Ländern der Märtyrer: „Es ist ein sehr gefährliches Buch. Es hat die Kraft, uns und unsere Gesellschaft zu verändern.“ Unter Muslimen gebe es es eine große Erweckung, besonders in seinem Heimatland. Sie werde von einer zunehmenden Verfolgung der Christen begleitet. Er selbst sei ursprünglich Muslim gewesen und habe nach seiner Bekehrung schwere Verfolgung erlebt. Von den verfolgten Glaubensgeschwistern könne die Kirche im Westen vor allem eines lernen: „Seid keine lauwarmen Christen!“ Er beobachte mit Sorge, dass das Christentum in Deutschland zunehmend harmloser werde. Die Christen hierzulande sollten nicht mitleidig auf ihre Geschwister im Iran blicken, sondern sich vielmehr von deren Glaubensmut anstecken lassen.
Nicht der Welt angleichen
Jugendpastor Paul Koch (Osnabrück) sprach über den biblischen Auftrag für Christen, sich nicht der Welt gleichzustellen. Sie lernten, anders zu denken und anders zu entscheiden, indem sie in allem nach dem Willen Gottes fragten. Koch ermutigte dazu, sich an der Bibel zu orientieren und sie als prägende Kraft im eigenen Leben wirksam werden zu lassen. Der Mensch denke entweder von Gott oder von der Welt her. Das aber hänge davon ab, was das Leben bestimme. Koch rief die Besucher zum intensiven Bibellesen auf: „Mach dieses Buch zu dem, was dein Leben am tiefsten prägt, denn Gottes Wille ist es, dass du nach seinem Wort, nach seinen Prinzipien lebst.“
Bei jeder passenden Gelegenheit als Christ zu erkennen geben
Der Leiter der „Langensteinbacher Höhe“, Pastor Andreas Schäfer, erklärte, dass Christen tief durchatmen könnten, „wenn sie ihr Leben in Einheit mit dem lebendigen Gott sehen“. Wer seine Identität in Jesus habe, könne gelassen bleiben, „weil er weiß, dass Gott die Geschichte regiert“. Das alttestamentliche Buch Daniel könne als Orientierung und Wegweisung in einer den Christen oft feindselig gegenüberstehenden Welt dienen. Sie müssten akzeptieren, dass sie wie Daniel „Fremdlinge“ im System dieser Welt seien. Aber genau wie er sollten sie sich bei jeder passenden Gelegenheit als Nachfolger Jesu zu erkennen geben.
Christenverfolgung im biblischen Kontext
Der Gemeindereferent der HMK, Wolfgang Häde, sagte, dass Christen Verfolgung im Sinne der Bibel verstehen sollten. Das sei nötig, um auf Bedrängnis vorbereitet zu sein und die Verfolgung bewältigen zu können. Wie Jesus durch Leiden den Sieg errungen habe, so werde auch die Gemeinde Jesu nur dann überwinden, wenn sie bereit sei, Verfolgung um Jesu willen auf sich zu nehmen.
Missionsleiter: Allein Jesus steht die Herrschaft zu
Im Abschlussgottesdienst der Konferenz erinnerte HMK-Missionsleiter Manfred Müller (Schöffengrund bei Wetzlar) die Besucher an ihre Berufung, Botschafter der Hoffnung zu sein. Er sprach über die Geschichte der „Heiligen drei Könige“. Sie seien nach der Bibel (Matthäus 2,1–12) zwar weder Heilige noch Könige und wahrscheinlich auch nicht drei gewesen, aber als Boten der Hoffnung aus dem Osten nach Jerusalem gekommen. Dort hätten sie eine „Amtskirche“ (die religiösen Führer) angetroffen, der ihre politische Allianz mit König Herodes wichtiger war als der Inhalt der Messiasverheißung. Diese Geschichte rufe Christen zur Entscheidung für den wahren Herrschaftsanspruch Jesu auf.