12.11.2024

Deutschland: Prof. Bielefeldt - Religionsfreiheit ist unverzichtbares Menschenrecht

Nürnberg: 200 Teilnehmer bei „Kundgebung für Religionsfreiheit

Nürnberg (IDEA) – Die Religionsfreiheit hat einen unverzichtbaren Stellenwert für die Menschenrechte. Diese Ansicht vertrat der Seniorprofessor für Menschenrechte der Universität Erlangen-Nürnberg, Prof. Heiner Bielefeldt (Erlangen), auf der Kundgebung für Religionsfreiheit am 10. November in Nürnberg. Veranstalter war die dortige Evangelische Allianz. Nach ihren Angaben nahmen rund daran rund 200 Personen teil. Anlass war der „Weltweite Gebetstag für verfolgte Christen“, zu dem jedes Jahr im November die Weltweite Evangelische Allianz aufruft. Anlässlich des Mauerfalls vor 35 Jahren erinnerte Bielefeldt an die Rolle der Kirchen. Auch heute böten Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften in autoritären Staaten oft Chancen von Gemeindeerfahrung in bewusster Distanz zum Staat, so Bielefeldt: „Das produktive Potenzial der Religionsfreiheit für Demokratisierungsprozesse wird leider viel zu wenig zur Kenntnis genommen.“

Stadtdekan beklagt Judenhass und Muslimfeindlichkeit

Der Nürnberger Stadtdekan Jürgen Körnlein erinnerte in seiner Rede an das beginnende Jubiläum „500 Jahre Nürnberger Religionsgespräch“. Zum Hintergrund: Zwischen dem 3. und 14. März 1525 trafen sich Nürnberger Geistliche und diskutierten über Religionsfragen. Die Debatte endete mit der Einführung der Reformation nach der Lehre Martin Luthers. Doch der reformatorische Aufbruch sorgte auch dafür, dass 300 Jahre kein katholischer Gottesdienst in Nürnberg gefeiert werden dufte. Es kam zu Ausgrenzung, Tod und Kriegen wie dem 30-jährigen Krieg. Körnlein: „Wie gerne würden wir das ausblenden. Aber das gehört zu uns. Wir dürfen die Augen nicht verschließen: Auch unsere Religion und ihre Schattenseiten haben Dunkles bewirkt. Von Judenhass und Muslimfeindlichkeit ganz zu schweigen.“ Körnlein rief die Teilnehmer der Kundgebung dazu auf, Menschen aus anderen Religionen zuzuhören und sich die Frage zu stellen: „Wo werden auch durch mich oder meine Religion Menschen benachteiligt, weil sie anders sind – und weil sie anders glauben?“ Die Nürnberger Kundgebung für Religionsfreiheit wird unterstützt von einem breiten Bündnis aus Kirchen, Gemeinden und Initiativen in der Region.