14.07.2025

Israel: Westjordanland - Christliches Dorf erneut angegriffen

Kirchenvertreter fordern eine Untersuchung der Vorfälle

Taybeh (IDEA) – Im Westjordanland haben israelische Siedler erneut das christliche Dorf Taybeh, östlich von Ramallah, angegriffen. Es ist der dritte Übergriff binnen drei Wochen. Nach Angaben des Priesters der lokalen Kirche „Christus der Erlöser“, Baschar Fawadleh, sollen die Siedler am 11. Juli Felder nahe einiger Wohnhäuser und der historischen Georgskirche, eines der ältesten religiösen Wahrzeichen der Region, angezündet haben. Schlimmeres konnte jedoch verhindert werden, so der Geistliche gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Bereits am 7. Juli hatten die Siedler ein Feuer in der alten Kirche entfacht. Da die Bevölkerung jedoch eingegriffen habe, sei die Ruine aus dem 5. Jahrhundert verschont geblieben, so der Geistliche. Die jüngste Übergriffswelle auf Taybeh hatte am 25. Juni begonnen. Dabei wurden mindestens zehn Personen verletzt. Gegenüber der spanischsprachigen Plattform „ACI Prensa“, berichtete Fawadleh: „Seit Beginn der Angriffe haben unsere Landarbeiter Angst, ihre Felder zu betreten – sie wurden mehrfach attackiert.“ Solche Übergriffe habe er vorher nie erlebt. Wie die arabischsprachige katholische Nachrichtenplattform ACI Mena berichtet, hatten israelische Siedler schon 2019 und 2020 Außenposten rund um die Stadt errichtet, oft begleitet von Brandanschlägen auf Ernten, Diebstahl von Geräten und dem absichtlichen Freilassen von Vieh auf den Feldern, um die Ernten zu zerstören.

Reaktionen auf die Übergriffe

Die drei christlichen Geistlichen Taybehs verurteilten die anhaltenden Übergriffe scharf. In einer gemeinsamen Erklärung beklagten sie tägliche „systematische Attacken“. Sie zielten bewusst auf die christliche Identität der Einwohner und deren religiöses Erbe ab. Die Geistlichen forderten Politiker und Kirchenvertreter dazu auf, Druck auf Israel auszuüben und eine sofortige und transparente Untersuchung der Zwischenfälle durchzusetzen. Dem schloss sich der neue Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Frank Kopania (Hannover), an. In einer Stellungnahme sagte er: „Die Gewalt gegen diesen Ort steht exemplarisch für viele Orte im Westjordanland, in denen palästinensische Familien zunehmenden Angriffen durch extremistische israelische Siedler ausgesetzt sind.“ Auch die Geschäftsführerin von „Churches for Middle East Peace“ (CMEP) – einer Koalition von christlichen Kirchen und Organisationen in den USA –, Mae Elise Cannon, verurteilte das Verhalten der Siedler scharf. Sie äußerte: „Die Gewalt und Zerstörung durch Siedler in Taybeh sind Teil eines viel umfassenderen und zutiefst beunruhigenden Musters von Angriffen, die Christen aus ihrer Heimat vertreiben.“ Cannon forderte die weltweite christliche Gemeinschaft zur Solidarität auf. Taybeh ist die letzte christliche Siedlung im Westjordanland und wird mit dem neutestamtlichen Efraïm identifiziert. Dorthin zog sich Jesus nach der Auferweckung des Lazarus zurück (Johannes 11,54). Heute ist die kleine Ortschaft für seine Bierbrauerei bekannt.