22.07.2025
Kirgistan: Adventistenpastor zu drei Jahren Haft verurteilt
Gericht: Danach soll Pavel Shreider nach Russland abgeschoben werden
Bischkek (IDEA) – Im überwiegend muslimischen Kirgistan hat ein Gericht in der Hauptstadt Bischkek den Adventistenpastor Pavel Shreider zu drei Jahren Haft verurteilt. Das berichtet die norwegische Menschenrechtsorganisation „Forum 18“. Der 65-Jährige gehört zur Gemeinschaft der Wahren und Freien Reformadventisten, einer adventistischen Sondergruppierung. Die Richter befanden ihn der „Aufstachelung zu rassistischer, ethnischer, nationaler, religiöser oder regionaler Feindseligkeit“ für schuldig. Nach Verbüßung der Haftstrafe soll der russische Staatsbürger abgeschoben werden, entschied das Gericht ferner. Shreider weist die Vorwürfe zurück und kündigte Berufung gegen das Urteil an. Sein Anwalt Akmat Alagushev beklagte gegenüber „Forum 18“, dass der Richter bei der Urteilsverkündung lediglich eine CD für die Schuld des Angeklagten angeführt habe: „Doch bei der Einsichtnahme im Gerichtssaal war sie leer.“
Verhaftung und Hausdurchsuchungen
Die Geheimpolizei des kirgisischen Nationalen Sicherheitskomitees hatte Shreider im November 2024 verhaftet. Im Rahmen der Ermittlungen durchsuchten die Beamten seine Wohnung sowie die von etwa zehn weiteren Gemeindemitgliedern. Dabei beschlagnahmten die Behörden unter anderem Bibeln. Am 19. März 2025 stufte ein Gericht die Wahren und Freien Reformadventisten in einem von der Geheimpolizei initiierten Verfahren als „extremistische“ Organisation ein und verbot ihre Aktivitäten landesweit. Gegen das Verbot hat die Gemeinschaft beim Obersten Gerichtshof Berufung eingelegt. Ein Termin für die Anhörung steht noch aus. Shreider verbleibt nach Angaben von „Forum 18“ bis zur Entscheidung über die Berufung in Untersuchungshaft. Wie „Forum 18“ berichtet, lehnt die von Shreider geleitete Gemeinde eine staatliche Registrierung ab. Ohne diese ist die Religionsausübung in Kirgistan jedoch strafbar. Wie Mitglieder aus Shreiders Gemeinde erklärten, suchen die kirgisischen Behörden bereits seit 2022 nach Vorwänden, um deren Kirche zu schließen. Es habe bereits zuvor Prozesse gegen Gemeindemitglieder gegeben.
Mitbegründer war 25 Jahre in sowjetischer Haft
Die Gruppe der Wahren und Freien Reformadventisten entstand während der Sowjetzeit. Sie lehnte eine Registrierung durch den Staat und den Waffendienst strikt ab. Mitbegründer war 1929 Wladimir Shelkov (1895–1980), der 25 Jahre seines Lebens in sowjetischen Gefängnissen zubrachte und in der Haft in Sibirien starb. Der Menschenrechtler Andrei Sacharov (1921–1989) zählte ihn zu den „größten christlichen Humanisten unseres Jahrhunderts“. Von den rund sieben Millionen Einwohnern Kirgistans sind 87 Prozent Muslime, vier Prozent Christen und sieben Prozent Nicht-Religiöse.