23.07.2025

Syrien: Christen in Suweida suchen Schutz in Kirchen

Griechisch-orthodoxe Christin informiert über die aktuelle Lage

Damaskus (IDEA) – Tagelang tobten in der südsyrischen Provinzhauptstadt Suweida Kämpfe zwischen der religiösen Minderheit der Drusen und sunnitischen Beduinen sowie Regierungstruppen. Ein Großteil der in der Region lebenden Christen versteckt sich seit Ausbruch des Konflikts in ihren Kirchen. Das berichtete Juliette Amor, Mitarbeiterin einer örtlichen Partnerorganisation des überkonfessionellen Hilfswerks Open Doors, gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA. Die griechisch-orthodoxe Christin hat persönliche Kontakte zu Bewohnern in Suweida und beschreibt die Situation dort nach wie vor als furchtbar. Zum Hintergrund: Auslöser für die Kämpfe soll Medienberichten zufolge ein Übergriff auf einen Gemüsehändler aus Suweida sein, der auf dem Weg nach Damaskus war. Dadurch wurde eine Gewaltspirale zwischen Beduinen und Drusen ausgelöst. Laut der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) sollen auch syrische Regierungstruppen und verbündete Milizen die mehrheitlich von Drusen bewohnte Stadt Suweida angegriffen haben. Als Reaktion führte die israelische Armee eine Reihe von Militärschlägen gegen Stellungen der syrischen Armee durch, u. a. in Suweida. Israel versteht sich als Schutzmacht der Drusen. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (London) kamen bei den Kämpfen bislang über 1.100 Menschen ums Leben. Hinzu kommen zahlreiche Verletzte.

Lage weiter unsicher

Nachrichtenagenturen sprechen aktuell von einer „vorsichtigen Ruhe“ in Suweida. Amor berichtet jedoch, dass die Lage nach wie vor unsicher sei. „Ein Pastor hat das Rote Kreuz am 21. Juli um die Evakuierung seiner Gemeindemitglieder gebeten.“ Dies sei aber aus Sicherheitsgründen nicht möglich, so die Antwort. Aus diesem Grund harren die Christen noch immer in ihren Kirchen aus. Allein im Dorf al-Shahba befänden sich mindestens 80 Christen in der dortigen griechisch-katholischen Kirche. Sie seien nur mit dem Nötigsten geflohen und hätten kaum Nahrung und Wasser. Geschäfte seien geschlossen, so dass die Beschaffung von Lebensmitteln schwierig sei. Unter der aktuellen Lage litten vor allem die Kinder, so Amor. „Zudem sind die Kirchen für die Aufnahme so vieler Menschen nicht ausgelegt. Das macht die Situation vor Ort nicht gerade komfortabel.“ Ein weiterer Pastor zeigte sich laut Amor inmitten der Kämpfe dankbar für die zuvor installierte Solaranlage auf der Kirche. So habe man – anders als viele umliegende Bewohner – wenigstens Strom nutzen können.

Auch Christen drusischer Herkunft getötet

Besonders getroffen hat die Syrerin der Tod des evangelikalen Christen Khalid Mezher sowie seiner Frau und Tochter. Die ehemals drusische Familie sei in ihrem Haus in Suweida erschossen aufgefunden worden. „Khalid war ein treuer Diener Christi und leitete Gebetskreise in Privathäusern.“ Amor vermutet, dass die Angreifer die Familie aufgrund ihrer drusischen Herkunft getötet hatten. „Wahrscheinlich haben sie gar nicht gewusst, dass es sich um Christen handelte“, so Amor. Nach ihren Angaben kamen neun weitere drusische Angehörige der Familie ums Leben. Wie Amor weiter mitteilte, haben seit dem Selbstmordanschlag auf eine Kirche in Damaskus am 22. Juni – dabei starben mindestens 30 Menschen – viele Christen Angst, Gottesdienste zu besuchen. Amor betont: „Als Christin sehe ich die Lösung unserer Probleme in Syrien nur in der Vergebung.“ Nur wenn die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen aufhörten, ihre Konflikte untereinander auszutragen, gebe es eine Hoffnung auf Frieden. Amor bittet die internationale christliche Gemeinschaft um Gebet für ihr Land. Christen stellten vor dem Bürgerkrieg ab 2011 in Syrien rund zehn Prozent der 22 Millionen Einwohner. Doch viele haben seitdem das Land verlassen. Ihre Zahl wird heute auf noch rund 300.000 geschätzt.