24.07.2025
Westjordanland: Widersprüchliche Angaben zu Angriffen auf Taybeh
Israelische Polizei bestreitet, dass Kirche durch Brandstiftung beschädigt wurde
Taybeh (IDEA) – Im Fall der Angriffe auf das einzige christliche Dorf im Westjordanland gibt es widersprüchliche Angaben. Laut der israelischen Polizei hat die Kirche des Heiligen Georg in Taybeh keinen Schaden durch Brandstiftung davongetragen – entgegen anderslautender Aussagen und Berichte. Zum Hintergrund: Zahlreiche Medien hatten von Vorfällen am 7., 8. und 11. Juli berichtet, bei denen es zu Brandstiftung durch jüdische Siedler nahe und in der alten Kirchenruine aus dem 5. Jahrhundert gekommen sein soll. Auf dem Kurznachrichtenkanal X (ehemals Twitter) heißt es in einer Polizeimitteilung vom 21. Juli: „Das Feuer beschränkte sich auf ein angrenzendes offenes Gelände und erreichte nicht die heilige Stätte.“ Sowohl Israelis als auch Palästinenser hätten die Behörden informiert. Es sei eine gründliche Untersuchung eingeleitet worden. Weiter heißt es: „Sollte Brandstiftung bestätigt werden, wird Gerechtigkeit geübt – unabhängig von Herkunft oder ethnischem Hintergrund. Rechtsstaatliches Vorgehen basiert auf Fakten, nicht auf Schlagzeilen.“
Örtlicher Pfarrer: Israelische Siedler haben Kirche in Brand gesteckt
Dagegen hatte der örtliche Pfarrer Bashar Fawadleh gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur CNA erklärt: „Die Siedler haben die Kirche des Heiligen Georg in Brand gesteckt — eine byzantinische Kirche aus dem 5. Jahrhundert, in der ich regelmäßig die Messe feiere.“ Auch der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., machte „radikale Israelis“ für den Brand verantwortlich. Zahlreiche Kirchenvertreter weltweit verurteilten die Übergriffe. Einige suchten die Ortschaft Mitte Juli auf. Auch der US-Botschafter Mike Huckebee verurteilte die Schändung religiöser Stätten als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Gott“ nach einem Besuch Taybehs am 19. Juli. Nach Veröffentlichung der jüngsten Polizeimitteilung verteidigte sich der evangelikale Christ auf X: „Ich habe keine Person oder Gruppe für das Feuer verantwortlich gemacht, da wir es nicht sicher wissen.“ Das sei die Presse gewesen. Huckebee betonte wie schon am 19. Juli: „Unabhängig davon war es ein Verbrechen und muss Konsequenzen haben.“
Unterschiedliche Interpretationen der Ereignisse
Kurz vor der Veröffentlichung des jüngsten Polizeiberichts zu den Vorfällen hatte auch ein Beitrag des israelischen Pressedienstes „The Press Service of Israel“ (TPS-IL) Zweifel an der bisherigen Berichterstattung aufgeworfen. Während es übereinstimmende Berichte von Juden und Kirchenvertretern über Brände in Taybeh gebe, seien diese jedoch unterschiedlicher Ansicht über deren Ursachen, heißt es. Laut TPS-IL gebe es „Beweise für Löschversuche durch jüdische Anwohner vor Ort“. Online geteilte Videos zeigten mehrere junge jüdische Männer von einem benachbarten Bauernhof mit Feuerlöschgeräten. Sie seien in den Sozialen Medien als Brandstifter missinterpretiert worden. Ein dabei beteiligter jüdischer Hirte beschrieb gegenüber TPS-IL, das Feuer sei plötzlich ausgebrochen. Der Junge habe Alarm geschlagen und das Feuer mit seinem Hemd zu ersticken versucht. Dabei habe er gesehen, wie mehrere Palästinenser aus der Richtung des nahe gelegenen Friedhofs kamen, schrien und Gegenstände nach ihm warfen. Ein jüdischer Bauer mit Weideland unweit der Kirche berichtete der Nachrichtenplattform, er habe in der besagten Zeit mehrfach Anzeige bei der Polizei erstattet, weil jemand seine Weideflächen mutmaßlich angezündet habe. Dem widersprach ein Sprecher des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem. Das Kirchengelände sei gezielt angegriffen worden. Das Feuer sei „nicht aus dem Nichts entstanden“. Der Sprecher räumte jedoch ein, dass es keine Videobeweise für eine Brandstiftung gebe. Die israelische Polizei hat eine Sonderermittlungseinheit gegründet und rief dazu auf, relevante Hinweise umgehend zu melden.
Warnung vor einer politischen Vereinnahmung
Amit Barak, ehemaliger Projektleiter de Organisation „Christian Empowerment Council“ (CEC) – sie will Christen in Israel stärken –, warnte gegenüber TPS-IL vor einer politischen Vereinnahmung der Vorkommnisse. Die involvierten Kirchen stünden in enger Verbindung mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). Dieser hatte am 24. Juni in einem Beschluss die israelische Politik gegenüber den Palästinensern als „System der Apartheid“ bezeichnet und damit eine massive Debatte ausgelöst. Barak: „Kirchenführer fallen immer wieder auf die gleichen Falschbehauptungen herein. Sie überprüfen keine Fakten, sondern lassen sich von einer Kampagne mitreißen, die sich leicht an den ‚Siedlern‘ festhakt.“ Der Vorsitzende des Yesha-Rates – dem Dachverband der jüdischen Gemeinden in Judäa und Samaria – Israel Ganz, äußerte die Hoffnung, „dass sich alle Beteiligten eingehend mit den tatsächlichen Vorgängen vor Ort befassen. Wie sich immer wieder zeigt, basieren viele Berichte auf Falschaussagen, die Teil eines internationalen palästinensischen Kampfes gegen die Siedlungen und den Staat Israel sind.“