29.07.2025

Iran: Zahlreiche Christen seit Waffenstillstand verhaftet

Die Christen werden beschuldigt, „Zionisten“ und „Feinde“ zu sein

Teheran/London (IDEA) – In Iran sind seit dem Ende des militärischen Konflikts mit Israel mindestens 54 Christen verhaftet worden. Das berichtet die christliche Menschenrechtsorganisation „Article18“ (London). Demnach findet seit dem 23. Juni eine Verhaftungswelle in mindestens 18 Städten des Landes statt. Viele der Inhaftierten würden beschuldigt, mit „feindlichen Staaten“ wie Israel oder den USA zusammenzuarbeiten.

Repressionen gegen Christen

Bereits während des Militärkonflikts und unmittelbar nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe am 25. Juni habe es in iranischen Medien vermehrt Hassreden gegen „evangelikale“ Christen gegeben. Sie seien als „Zionisten“ und „Feinde des Iran“ bezeichnet worden, die „froh über den Angriff auf den Iran“ seien und für den „Sieg der zionistischen Terroristen“ gebetet hätten. Der Interessenvertretungsdirektor von „Article18“, Mansour Borji, zeigte sich besorgt: „Diese Hassrede gleicht einem Aufruf zu Gewalt gegen Christen.“ In der Vergangenheit seien Gewalt und Strafmaßnahmen bereits durch den Missbrauch „zweifelhafter und vager Rechtsvorschriften“ gerechtfertigt worden.

UN fordert internationale Aufmerksamkeit

Am 4. Juli hatte ein Expertenkomitee der Vereinten Nationen (UN) die Hinrichtung von sechs Personen kritisiert, die der „Spionage für Israel“ beschuldigt wurden. Weitere Menschen seien unter diesem Vorwurf inhaftiert worden – darunter Journalisten, Menschenrechtler und Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten. In einer Stellungnahme forderten die Experten die internationale Gemeinschaft auf, zivilgesellschaftliche Akteure im Iran, unabhängige Medien und Menschenrechtsorganisationen stärker zu unterstützen. „Die Welt beobachtet genau, wie die iranischen Behörden mit ihren Bürgern umgehen. Dies wird ein entscheidender Gradmesser für das Bekenntnis des Landes zu Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit sein“, so das UN-Komitee. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) spricht von rund 1.300 Verhaftungen wegen unklarer Vorwürfe wie „Störung der nationalen Sicherheit“ oder „Unterstützung Israels durch Beiträge in sozialen Medien“ binnen wenigen Wochen. Etwa 98 Prozent der rund 89 Millionen Einwohner des Iran sind Muslime. Laut Schätzung christlicher Hilfswerke beträgt der Anteil der Christen zwischen 0,7 und 0,9 Prozent. Die Menschenrechtsorganisation „Article18“ ist nach dem entsprechenden Passus in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte benannt. Dort ist das Recht auf Gedanken-, Gewissens-, Religions- und Weltanschauungsfreiheit verankert.