03.06.2025
Aserbaidschan: Beschwerde gegen christliches Hilfswerk
Das Land wirft CSI seine Unterstützung für armenische Christen vor
München (IDEA) – Aserbaidschan hat eine Beschwerde gegen das christliche Hilfswerk Christian Solidarity International (CSI) bei den Vereinten Nationen (UN) eingereicht. Das muslimische Land wirft der Organisation „politisch motivierte feindselige Handlungen“ vor. Das berichtet die Onlinezeitung „Christian Post“. CSI hat einen Beraterstatus bei der UN und setzt sich seit Jahren für armenische Christen vor und nach ihrer Vertreibung aus der Region Bergkarabach ein. Zum Hintergrund: Die überwiegend von christlichen Armeniern bewohnte Enklave Bergkarabach in Aserbaidschan war seit 1991 selbstverwaltet, jedoch international nicht anerkannt. Nach monatelanger Blockade und einem militärischen Angriff Aserbaidschans am 19. September 2023 auf das Gebiet kapitulierte die Regionalregierung. Folge war ein Exodus von über 100.000 christlichen Armeniern. Zum 1. Januar 2024 lösten die lokalen Behörden die Republik Arzach, wie Bergkarabach auch genannt wird, auf. CSI intervenierte bei der UN wiederholt und fordert unter anderem die sichere Rückkehr der Armenier nach Bergkarabach. Zudem hatten Menschenrechtler Alarm geschlagen wegen der Bedingungen, unter denen sich 23 armenische Geiseln, teils hochrangige Beamte, in Aserbaidschans Hauptstadt Baku befinden sollen. Aserbaidschan warf CSI in diesem Zusammenhang vor, „verzerrte Fakten“ über die laufenden Prozesse von 16 der Inhaftieren zu verbreiten. Laut „Christian Post“ wurden weitere sieben Armenier bereits zu Haftstrafen zwischen 15 und 20 Jahren wegen angeblichem Terrorismus verurteilt. Überdies kritisierte Aserbaidschan CSI in seiner Beschwerde dafür, „ungültige und fiktive Namen“ zu verwenden. Damit ist die Nutzung des Begriffs „Bergkarabach“ gemeint. Die Organisation zeige eine „verzerrte Karte“, indem sie die Grenzen der ehemaligen Region noch zeigt, heißt es.
CSI: Lassen uns nicht mundtot machen
Auf Nachfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA bestätigte der Geschäftsführer von CSI in Deutschland, Pfarrer Peter Fuchs (München), die Vorwürfe durch Aserbaidschan. Am 23. Mai sei der zuständige UN-Ausschuss für Nichtregierungsorganisationen zusammengetreten und habe die Antwort von CSI auf die Beschwerde entgegengenommen. Da sich aber keines der insgesamt 19 vertretenen Länder weiter zu dem Thema geäußert habe, sei dieser Tagesordnungspunkt geschlossen worden. „Es scheint, dass Aserbaidschan diesmal nicht die erforderliche Unterstützung hatte, um gegen CSI vorzugehen“, so Fuchs. Er vermutet, dass das Land es künftig erneut versuchen wird. CSI werde sich davon nicht mundtot machen lassen. Fuchs: „CSI tritt weiterhin mit ganzer Kraft für die aus Bergkarabach vertriebenen Armenier ein, wir lassen uns nicht einschüchtern.“ Unter anderem unterstütze das Hilfswerk die am 26. Mai in Bern gegründete „Schweizer Friedensinitiative für Bergkarabach“ mit namhaften Schweizer Bundesparlamentariern, denn dauerhafter Friede gründe auf Gerechtigkeit, so Fuchs. Das überparteiliche Komitee will den Schweizer Bundesrat bei seinen Bemühungen um eine nachhaltige Friedenslösung im Südkaukasus unterstützen.