04.06.2025

Indonesien: Christliche Gräber geschändet

Die Behörden bestreiten ein religiöses Motiv

Jakarta (IDEA) – In der Region Yogyakarta in Indonesien wurden mindestens 16 christliche Gräber geschändet. Das berichten lokale Medien. Die Vorfälle ereigneten sich zwischen dem 16. und dem 19. Mai auf drei unterschiedlichen Friedhöfen der Region. Dabei wurden teilweise die Holz- und Betonkreuze sowie Grabsteine oder Keramiken beschädigt, so dass offene Löcher und Trümmerteile zurückblieben. Eines der betroffenen Gräber ist das des Mannes von Sri Hana Sukarti (66). Gegenüber der indonesischen Zeitung kompas.com (Jakarta) bekundete die Christin ihre Trauer: „Ich habe erst am Sonntag, nachdem ich aus der Kirche nach Hause gekommen war, von der Zerstörung des Grabes erfahren.“ Ein Verwandter habe die Schändung entdeckt, als er ein anderes Grab säuberte. Er habe festgestellt, dass das Grab schwer beschädigt wurde – ebenso weitere nicht-muslimische Totenstätten. Laut dem Sender CNN Indonesia nahm die Polizei am 21. Mai den mutmaßlichen Täter, einen 16-jährigen Schüler, fest. Wie der zuständige Polizeichef bei einer Pressekonferenz erklärte, habe die Befragung und die Ermittlungen kein religiöses Motiv ergeben: „Es handelte sich um eine rein individuelle Tat, und der Täter gehörte keiner bestimmten Gruppe oder Ideologie an.“ Der Täter leide an einer psychischen Störung. Andere Medien sprechen hingegen von einer „Familienangelegenheit“.

Debatte über das Motiv

Es ist nicht das erste Mal, dass es in der Region zur Schändung von christlichen Gräbern kam. Das führte bei den jüngsten Vorfällen dazu, dass einige in ihnen Zeichen religiöser Intoleranz sehen. So vermutete etwa der Pastor der Indonesia Bethel Church, Putu Praba Darana (Surabaya), gegenüber dem Nachrichtenportal „Morning Star News“ ein religiöses Motiv hinter der Tat. Er betonte jedoch, dass zuvor Alkohol- und Drogeneinfluss beim Täter ausgeschlossen werden müssten. Die indonesische Psychologin Lucia Peppy (Yogyakarta) mahnte zur Vorsicht vor einer übereilten Reaktion auf den Vorfall. Tatsächlich ist die Debatte nicht neu. Ende 2018 kam es erstmals zu ähnlichen Schändungen in der Region. Während eines Streits um die ausschließliche Nutzung eines Friedhofs für Muslime und die Entfernung christlicher Symbole, verstümmelte ein Unbekannter ein Grabkreuz. Den Vorwurf, Yogyakarta sei religiös intolerant, wies der Gouverneur und Sultan von Yogyakarta, Sri Sultan Hamengku Buwono X, damals jedoch zurück. Im April 2019 folgten weitere Vorfälle bei denen die Polizei bis heute kein Motiv ermittelt hat.

Einschränkungen der Religionsfreiheit im größten muslimischen Land der Erde

Indonesien ist das größte muslimische Land der Welt. Während das katholische Hilfswerk Kirche in Not (München) es auf seiner Beobachtungsliste in Bezug auf Religionsfreiheit führt, befindet es sich bei Open Doors (Kelkheim) auf der erweiterten Liste des Weltverfolgungsindexes. Dort stehen Länder mit einem hohen bis sehr hohen Maß an Verfolgung und Diskriminierung. Laut der Kommission für internationale Religionsfreiheit der Vereinigten Staaten (USCIRF/Washington) gehört Indonesien zu den Ländern, in denen die Regierungen schwerwiegende Verletzungen der Religionsfreiheit begehen oder dulden. Von den über 280 Millionen Einwohnern Indonesiens sind rund 80 Prozent Muslime, 12 Prozent Christen. Die restlichen acht Prozent sind Anhänger kleinerer Religionsgemeinschaften und ein kleiner Teil Atheisten.