05.06.2025

Syrien: Die Gesellschaft für bedrohte Völker warnt vor Naivität

Völkerrechtler: Religiöse Vielfalt in Syrien wird vernichtet

Göttingen (IDEA) – Sechs Monate nach dem Sturz des syrischen Diktators Baschar al-Assad hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV/Göttingen) vor Naivität im Umgang mit den neuen islamistischen Machthabern gewarnt. „Nach einem halben Jahr der islamistischen Herrschaft über das ursprünglich multi-religiöse Syrien sehen Minderheiten dort keine Zukunft mehr für sich“, erklärte der GfbV-Nahostreferent Kamal Sido am 5. Juni in einer Pressemitteilung. Sido war im April ohne Genehmigung der Behörden durch fast alle syrischen Provinzen gereist. In vertraulichen Gesprächen hätten Vertreter von Minderheiten über zunehmende Repressionen berichtet. Er habe viele Anzeichen dafür gesehen, dass „die neuen Machthaber die religiöse und ethnische Vielfalt in Syrien Schritt für Schritt vernichten und ein streng islamistisches Regime errichten wollen“, so Sido. Die Machthaber um Ahmed al-Scharaa äußerten sich nur vage zur Zukunft des Landes: „Während die Menschen sich fragen, ob Syrien demokratisiert oder weiter islamisiert wird, eskaliert die Gewalt gegen ethnische und religiöse Minderheiten.“ Syrien stehe heute, mit Ausnahme kurdischer und drusischer Gebiete, faktisch unter türkischer Kontrolle. In Regionen wie Afrin und Idlib werde mit türkischer Lira oder Dollar gezahlt. Türkische Fahnen prägten das Stadtbild, während kurdische Friedhöfe zerstört worden seien. Drusen und Kurden fordern Sido zufolge angesichts der Lage ein föderales System für Syrien. Die deutsche Politik sollte das unterstützen, so die GfbV.