16.06.2025

Iran-Israel-Konflikt: Iranische Pastoren hoffen auf Regimesturz

Baptistenpastor fordert: Keine Abschiebungen mehr in den Iran

Ingolstadt/Teheran (IDEA) – Angesichts der aktuellen Angriffe Israels auf strategische Ziele im Iran hoffen viele iranische Christen auf eine Schwächung oder ein Ende des Mullah-Regimes. Das berichtet der Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Ingolstadt, Mohsen Kornelsen, gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA. Er steht in engem Kontakt mit Pastoren im Iran. Seit der Nacht zum 13. Juni greift Israel dortige Militär- und Nukleareinrichtungen an. Als Reaktion beschießt das iranische Militär den jüdischen Staat mit Raketen. Dabei starben in Israel bisher 23 Menschen.

Zwischen Hoffnung und Angst

Laut Kornelsen sehen einige Pastoren im Iran in dem israelischen Präsidenten Benjamin Netanjahu eine Art „Messias des Iran“. „Sie vergleichen ihn mit dem persischen König Kyros, der einst die Juden aus der Gefangenschaft in Babylon befreite“, so Kornelsen. Auch der Baptistenpastor glaubt, dass ein Regimewechsel den dortigen Christen mehr Freiheit und weniger Verfolgung bringen könnte. Vieles hänge davon ab, wie der Krieg weiter verläuft und wie die internationale Gemeinschaft reagiert. Aktuell herrsche aber vor allem die Angst, dass der Krieg das Land ins völlige Chaos stürzen oder noch mehr unschuldige Menschenleben fordern könnte. Momentan verließen viele Bewohner Teherans die Stadt und flüchteten aufs Land. Auch seine gesamte Familie habe die Stadt verlassen. Die Straßen seien überfüllt, vor den Tankstellen hätten sich lange Schlangen gebildet. Mittlerweile würden nur noch 15 Liter pro Fahrzeug abgegeben.

Bitte um Abschiebestopp

Kornelsen verwies gegenüber IDEA auf seinen am 14. Juni verfassten Brief an das Bundesinnenministerium. Darin ruft er die Regierung dazu auf, einen sofortigen Abschiebestopp für iranische Flüchtlinge zu verhängen. „Die aktuelle Situation im Iran ist durch massive Menschenrechtsverletzungen, Verfolgung Andersdenkender und eine instabile innenpolitische Lage gekennzeichnet“, heißt es darin. Gegenüber IDEA erklärte er: „Ich halte es für unmenschlich, gerade jetzt iranische Flüchtlinge abzuschieben.“ Erst letzte Woche sollte eine Frau in den Iran abgeschoben werden, so Kornelsen. „Niemand sollte in ein Land zurückgeschickt werden, das sich im Krieg befindet und in dem das Leben so vieler Menschen bedroht ist.“ Bereits vor dem Krieg habe er als Iraner und Pastor immer wieder mitbekommen, dass iranische Christen aufgrund einer falschen Einschätzung ihres Asylstatus zurückgeschickt werden sollten. Sie wendeten sich häufig hilfesuchend an ihn. Deshalb habe er den Brief an das Innenministerium verfasst, „in der Hoffnung auf Gehör zu stoßen“, erklärte der Pastor.

Kamal Sido: Minderheiten könnten zu Schuldigen erklärt werden

Auch die Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) berichtet davon, dass vermehrt Stimmen im Iran laut werden, die einen Regimewechsel fordern. Der Nahostreferent der Organisation, Kamal Sido, erklärte dazu: „Eine große Mehrheit der iranischen Bevölkerung wünscht sich eine andere, demokratische Ordnung, jedoch nicht den Austausch einer Diktatur durch eine andere, wie es im Falle Syriens geschehen ist.“ Vor allem strebten die nichtpersischen und nichtschiitischen Volksgruppen nationale, sprachliche, kulturelle und vor allem vollständige Glaubens- und Meinungsfreiheit an. Gleichzeitig warnte Sido davor, dass das herrschende Mullah-Regime auf der Suche nach Schuldigen in der aktuellen Lage gegen die Demokratie- und Freiheitsbewegung der Völker vorgehen könnte. Seit Jahren betrachte das Mullah-Regime Angehörige der Bahai-Religionsgemeinschaft, christliche Konvertiten und Kurden als Handlanger Israels.