20.06.2025
Israel: Iranische Rakete trifft Krankenhaus
Bei Raketeneinschlägen in Zentralisrael und in einem Krankenhaus werden Dutzende verletzt. Das Krankenhaus stellt auf Notbetrieb um.
JERUSALEM / BE’ER SCHEVA (inn) – Der Iran hat in der Nacht zum Donnerstag und am Donnerstagmorgen wieder Dutzende Raketen auf Israel abgefeuert. Ein Geschoss schlug dabei im Soroka-Krankenhaus von Be’er Scheva ein. Zudem zerstörten zwei Raketen Wohngebäude in Zentralisrael. Mehr als 270 Menschen wurden verletzt, vier davon schwer, wie das Gesundheitsministerium am Nachmittag bekanntgab. Insgesamt meldeten die Behörden sieben Raketeneinschläge.
Das Soroka-Krankenhaus ist das zentrale Krankenhaus in Südisrael. Dessen Leiter Schlomi Kodesch erklärte, die Rakete sei in der alten Operationsstation eingeschlagen. Das alte Gebäude sei bereits vor Tagen evakuiert worden. An anderen Gebäuden seien jedoch Schäden entstanden.
Patienten evakuiert
Die Patienten und das Krankenhauspersonal hätten sich in Schutzräumen befunden. Mehr als 70 hätten leichte Verletzungen davongetragen, erklärte Kodesch weiter. Infolge des Einschlags wurden zahlreiche Patienten in andere Krankenhäuser gebracht, während das Soroka vorerst nur noch Notfallbehandlungen durchführt.
Der Iran erklärte, Ziel des Angriffs sei ein benachbarter Armeestützpunkt gewesen. Die Nachrichtenseite „Times of Israel“ weist jedoch darauf hin, dass der nächste Stützpunkt in zwei Kilometer Entfernung liegt.
Netanjahu: Alle Optionen auf dem Tisch
Der israelische Premier Benjamin Netanjahu (Likud) besuchte die Einschlagsstelle am Nachmittag. Dabei betonte er wie schon in den Tagen zuvor, dass er eine Tötung des iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei nicht ausschließe. Niemand sei immun, alle Optionen lägen auf dem Tisch. Indes komme es in Kriegszeiten darauf an, mit Worten vorsichtig zu sein, „das gilt auch für Minister“.
Mit dieser Äußerung meinte Netanjahu offenbar Verteidigungsminister und Parteifreund Israel Katz. Dieser hatte zuvor bei einem Besuch der Einschlagsstelle betont, Chamenei sei ein „moderner Hitler, der nicht weiter leben darf“. Am Abend wiederholte Katz allerdings seine Äußerung auf der Plattform X.
In Ramat Gan und in Cholon schlugen ebenfalls zwei Raketen ein. Die Verletzten wurden in Krankenhäuser gebracht. In Ramat Gan entstanden an mindestens 20 Gebäuden schwere Schäden.
Am Nachmittag schoss der Iran eine weitere Salve von zehn Raketen auf Israel ab. Dabei kam es nach Angaben des Rettungsdienstes Roter Davidstern zu keinen Einschlägen in Wohngebiete.
Angriffe auf Atomanlage in Arak
Indes hat Israel seine Angriffe im Iran fortgeführt. Ein Ziel war dabei der Schwerwasserreaktor Arak. Zuvor wies die Armee Einwohner in der Nähe an, das Gebiet zu verlassen.
Der Forschungsreaktor dient der Herstellung von Plutonium, das sich auch bei Kernwaffen einsetzen ließe. Der Iran hatte die Internationale Atomenergiebehörde informiert, dass dort der Betrieb im kommenden Jahr weitergeführt werden soll.
Auch die Anreicherungsanlage in Natanz kam nochmals unter Beschuss. Darüber hinaus nahmen 40 Kampfflieger in der Nacht zu Donnerstag weitere Militärziele ins Visier.
Wie ein Armeevertreter der Zeitung „Jerusalem Post“ mitteilte, haben die Streitkräfte der Schätzung nach bald die Hälfte der iranischen Raketenstartrampen zerstört. Am Montag hatte die Armee bekanntgegeben, dass sie etwa 120 und damit ein Drittel zerstört habe. Insgesamt geht sie also von etwa 360 Raketenstartrampen aus. (df)