30.06.2025
Deutschland: Freikirche in Riedlingen weiter vom Verfassungsschutz beobachtet
Prediger Tscharntke bezeichnet die Vorwürfe als „wüste Unterstellung“
Stuttgart/Riedlingen (IDEA) – Die „Evangelische Freikirche Riedlingen“ (EFK) wird weiter vom Verfassungsschutz in Baden-Württemberg beobachtet. Das geht aus dem Jahresbericht des Landesamtes für Verfassungsschutz für das Jahr 2024 hervor. Darin heißt es, der Prediger der Freikirche, Jakob Tscharntke, gebe „extremistische Verschwörungstheorien“ wieder und verbreite „staatsfeindliche Positionen“. Die EFK steht seit 2022 unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. In dem aktuellen Bericht der Behörde heißt es, Tscharntke dämonisiere Politiker und setze die Demokratie der Bundesrepublik Deutschland mit dem Nationalsozialismus gleich. Der Verfassungsschutz wirft Tscharntke vor, er vermische „christliche-fundamentalistische Ansichten mit der Ablehnung des Staates und demokratisch legitimierter Entscheidungen“. Die Behörde befürchtet, dass durch die hohe Reichweite der EFK Riedlingen bisher nicht „extremistisch eingestellte Kirchenmitglieder und andere Personen radikalisiert werden“.
Tscharntke: Zitate einer Predigt aus dem Zusammenhang gerissen
Tscharntke wies die Vorwürfe auf Nachfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA zurück. Er bezeichnet die Vorwürfe als „wüste Unterstellung“. Zitate aus einer seiner Predigten würden aus dem Kontext gerissen und als Belege für eine rassistische Einstellung gewertet. So wird er mit den Worten zitiert: „Liebe Geschwister, Rassismus ist dort, wo man die Verschiedenheit der Rassen nicht mehr erwähnen“ dürfe. Und weiter: „Dieses ganze Geschehen zielt darauf ab, die von Gott geschaffenen Identität der verschiedenen Rassen und Völker zu zerstören und eine endzeitliche, antichristliche Einheitsmasse zu erzeugen, über die sie bestmöglich herrschen können.“ Mit der Verschiedenartigkeit der Rassen habe er keineswegs einen unterschiedlichen Wert der Menschen aussagen wollen, so Tscharntke. Im Gegenteil habe er auch darüber gepredigt, dass alle Menschen von einer Urmutter abstammten. Bei allen Unterschieden bildeten alle Menschen somit eine Menschheitsfamilie. Er habe in der zitierten Predigt auch gesagt, dass jeder Mensch auf ganz eigene Weise von Gott geliebt und wertgeschätzt sei. Auch kein einzelnes Volk habe deshalb Grund, höher von sich zu denken. „Aber jedes Volk darf sich seiner ihm von Gott verliehenen Identität freuen“, zitiert Tscharntke aus seiner Predigt. Der Vorwurf des Rassismus ignoriere, „was tatsächlich in der Predigt gesagt wurde“. In seiner Predigt bezeichnete Tscharntke den Antirassismus als in Wirklichkeit „schlimmste Form des Rassismus“.