30.06.2025
Deutschland: „Gott ist queer“- Nordkirche lehnt Veröffentlichung von Lied ab
Die lesbische Sängerin Annie Heger kritisierte diese Entscheidung
Hamburg/Schwerin (IDEA) – Die Nordkirche hat die Veröffentlichung eines von ihr in Auftrag gegebenen Liedes abgelehnt. Die lesbische Sängerin Annie Heger (Hamburg), die das Lied eingesungen hatte, kritisierte diese Entscheidung. Auf Instagram beklagte sie, dass die Nordkirche „einen Rückzieher gemacht“ habe. Das Lied, das sie selbst nun unter dem Titel „Gott ist queer“ veröffentlicht hat, sei „ein Echo auf Quinton Ceasars kraftvolle Worte auf dem Kirchentag 2023“. Zum Hintergrund: Der aus Südafrika stammende Pastor Quinton Ceasar (Wiesmoor/Ostfriesland) hatte diese Aussage in seiner Predigt beim Schlussgottesdienst des Kirchentags in Nürnberg am 11. Juni 2023 gebraucht. Die Predigt hatte in der Folge eine heftige Debatte ausgelöst. Sie selbst habe geweint, „als diese Worte durch die Lautsprecher schallten“, so Heger weiter. Doch genau dieser Satz sei für die Kirche „‚heikel‘“. Sie habe zu viel Angst vor Gegenwind, obwohl sie bereits seit Jahren an den „Christopher Street Day“-Demonstrationen (die von den Angehörigen sexueller Minderheiten und ihren Unterstützern organisiert werden) teilnehme.
Nordkirche: Lieder für den Gottesdienst müssen theologisch korrekt sein
Der Leitende Pressesprecher der Nordkirche, Dieter Schulz (Schwerin), bestätigte auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA, dass das Lied unter dem Titel „Hinter dem Sturm“ von der Landeskirche in Auftrag gegeben und produziert worden sei. Da die Musik im evangelischen Gottesdienst Teil der Verkündigung des Evangeliums sei, müssten derartige Lieder allerdings bestimmte Anforderungen erfüllen, wie Schulz erläuterte. „So muss es zum Beispiel theologisch korrekt und darf musikalisch nicht zu komplex sein.“ Die Nordkirche habe aus diesen Gründen zwei Überarbeitungsbitten an Heger und den ehemaligen Leiter des Popinstituts der Nordkirche, Jan Simowitsch (Hamburg), gerichtet. Die beiden hatten das Lied gemeinsam verfasst, hätten der Bitte aber nicht entsprechen wollen.
Landesbischöfin verbreitet Ausschnitt des Liedes
Die Nordkirche habe jedoch „zu jeder Zeit deutlich gemacht, dass das vorliegende Lied grundsätzlich sehr geschätzt“ werde, so Schulz weiter. Zudem habe sie Heger angeboten, es selbst zu veröffentlichen und dessen Verbreitung gemeinsam mit Ceasar in den Sozialen Medien begleitet und unterstützt. Auch Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt (Schwerin) verwendete einen Ausschnitt des Liedes im Rahmen einer auf ihrem Instagram-Kanal veröffentlichten Videobotschaft. Darin wünscht sie den Teilnehmern der „Pride“-Paraden sexueller Minderheiten „wunderbare, friedvolle und fröhliche Stunden“. Es sei für die Kirche „selbstverständlich“, bei diesen Veranstaltungen sichtbar zu sein. „Die Vielfalt der Geschlechter, geschlechtlicher Selbstverortung und verantwortlicher sexueller Orientierung verstehen wir als Segen und Reichtum unter Gottes Regenbogen.“