30.06.2025
Deutschland: St.-Martini-Gemeinde kritisiert Kirchenleitung scharf
Grund ist das „unsägliche Disziplinarverfahren“ gegen Pastor Olaf Latzel, Bremen
Bremen (IDEA) – Der Vorstand der Bremer St.-Martini-Gemeinde hat scharfe Kritik an der Leitung der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) geübt. Grund ist die Disziplinarverfügung gegen den Pastor der Gemeinde, Olaf Latzel. Die Kirchenleitung (Kirchenausschuss) hatte im Mai angekündigt, ihm als Disziplinarmaßnahme die Bezüge zu kürzen. Er soll für die Dauer von vier Jahren fünf Prozent weniger Gehalt bekommen. Der Pastor hatte in einem Eheseminar seiner Gemeinde im Oktober 2019 unter anderem Homosexualität als eine „Degenerationsform der Gesellschaft“ bezeichnet und gesagt: „Diese Homolobby, dieses Teuflische kommt immer stärker, immer massiver, drängt sich immer mehr hinein.“ Latzel bat später für die Aussagen um Entschuldigung und löschte die Aufzeichnung seiner Ansprache im Internet. Das wegen der Aussagen gegen ihn eingeleitete Strafverfahren wurde im August 2024 gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt.
„Schlechter Stil und respektloses Verhalten“
In einer Stellungnahme, die am 29. Juni auf der Internetseite der St.-Martini-Gemeinde veröffentlicht wurde, bezeichnete der Bauherr (Kirchenvorsteher) der Gemeinde, Jürgen Fischer, das Disziplinarverfahren als „unsäglich“. Latzel habe zwar darauf verzichtet, gegen die Gehaltskürzung rechtlich vorzugehen, aber das dürfe „nicht als Anerkenntnis dieser Disziplinarverfügung gewertet werden, im Gegenteil“. Grund für diese Entscheidung sei vielmehr ausschließlich der Wunsch nach einem Ende des belastenden Verfahrens gewesen. Weiter sagte Fischer, es sei eine Verletzung der Beteiligungsrechte der Gemeinde, dass sie nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen worden sei. Sie habe sogar – ebenso wie Latzel und sein Rechtsanwalt – erst aus den Medien von dem Beschluss der Kirchenleitung erfahren. „Das ist nicht nur schlechter Stil, sondern zeugt von respektlosem Verhalten gegenüber dem direkt Betroffenen und der Gemeinde“, so Fischer.
„Unbarmherzige und rücksichtslose Haltung“
Weiter sagte der Kirchenvorsteher, das Disziplinarverfahren hätte „nie aufgenommen werden dürfen“. Die Kirchenleitung habe mehrfach sowohl das Disziplinar- und Kirchenrecht als auch die Sorgfaltspflicht gegenüber Latzel verletzt. Während des Verfahrens habe sie eine „unbarmherzige und rücksichtslose Haltung“ gegenüber den Mitgliedern der St.-Martini-Gemeinde gezeigt. So habe sie Latzel zeitweise nicht nur die öffentliche Verkündigung, sondern auch die seelsorgerliche Betreuung von Menschen in Notlagen und die Begleitung Sterbender untersagt.
Kirchenausschuss hat „noch Öl ins Feuer gegossen“
Obwohl die Aufzeichnung des Eheseminars im März 2020 unbeabsichtigt an die Öffentlichkeit gelangt sei, habe der Kirchenausschuss in der anschließenden öffentlichen Diskussion „noch Öl ins Feuer gegossen“, statt mäßigend tätig zu werden. So habe die damalige Kirchenpräsidentin Edda Bosse in einem offiziellen Video der BEK davon gesprochen, dass Latzel „Giftpfeile, die in der Brühe niederster Instinkte gebadet haben,“ gegen die Landeskirche geschossen und „Hass erzeugt“ habe. Außerdem kritisierte Fischer, die Kirchenleitung habe sich auch „nicht in der Lage gesehen, zu erklären, dass die Aussagen unseres Pastors zur praktizierten Homosexualität und zur Genderideologie von der Bibel her gedeckt sind, bei aller zulässigen Kritik der Wortwahl“.
Protest gegen „Irrlehren und Irrlehrer in der Kirche“
Weiter erklärte Fischer: „Es erhärtet sich immer mehr der Eindruck, dass die Kirchenleitungen – nicht nur die in Bremen – die Letztbegründung ihres Redens und Handels in Schrift und Bekenntnis aufgegeben haben zugunsten eines gesellschaftlichen Diskurses, wie er vom gerade herrschenden Zeitgeist vorgegeben wird.“ Die St.-Martini-Gemeinde werde dagegen ihren „auf Bibel und Bekenntnis gegründeten Weg in Lehre und Leben“ fortsetzen. „An dieser Stelle rufen wir alle gläubigen Christenmenschen auf, die an dieser Kirche und ihrer geistlichen Ausrichtung leiden: Bleibt in der Kirche, aber steht auf, erhebt Euch zum Protest gegen die Irrlehren und ihre Irrlehrer in der Kirche.“