05.03.2025

Deutschland: An Unis kaum noch sicherer Raum für Juden

Lagebericht: Situation an Hochschulen in Berlin ist „besonders verheerend“

Berlin (IDEA) – Ein schärferes Vorgehen gegen Judenfeindlichkeit an Universitäten fordert ein Lagebericht „Antisemitismus an deutschen Hochschulen“. So müssten antisemitische Straftaten konsequent strafrechtlich verfolgt werden, heißt es. Der Bericht stammt vom Ramer Institute for German-Jewish Relations des American Jewish Committee Berlin (AJC) und der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (Berlin). „Seit dem 7. Oktober 2023 ist Antisemitismus zum traurigen Status Quo an vielen deutschen Hochschulen geworden“, schreibt AJC-Direktor Remko Leemhuis im Vorwort. Damals hatten Hamas-Terroristen über 1.200 Menschen in Israel ermordet und rund 240 Geiseln entführt. Laut Leemhuis reichte das Spektrum antisemitischer Vorfälle im vergangenen Jahr „von Hörsaalbesetzungen unter Intifada-Rufen, über offene Hamas-Apologetik und Beleidigungen bis hin zu Einschüchterungsversuchen und tätlichen Angriffen.“ Viele jüdische Studenten und Mitarbeiter blieben deshalb aus Angst dem Campus fern oder versteckten ihre jüdische Identität. Auch wenn die Lage an den Universitäten in der deutschen Hauptstadt besonders verheerend sei, dürfe das nicht darüber hinwegtäuschen, dass jüdische Studenten in ganz Deutschland Ähnliches erlebten. Der Lagebericht sei ein Appell an die Verantwortlichen in den Universitäten und der Politik, aber auch an alle Nichtjuden an den Hochschulen, sich dem wachsenden Antisemitismus entgegenzustellen.

Juden geraten in soziale Isolation

Wie die scheidende Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, Hanna Veiler, schreibt, ist „seit Monaten kaum ein universitärer Raum mehr frei von antisemitischer Gewalt“. Die Konsequenz für viele Betroffene sei vor allem soziale Isolation. Veiler: „Hochschulgruppen, Uni-Partys-und neue Bekanntschaften – all das ist in der Regel kein safe space mehr für jüdische Studierende. Was jedoch am meisten schmerzt, ist der Verlust von Verbündeten und Freundschaften.“ Wie Veiler der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte, erwägt sie, wegen der Lage an den Universitäten Deutschland zu verlassen.

Verbindung zwischen linken und muslimischen Antisemitismen

Dem Lagebericht zufolge zeigen sich besonders an Hochschulen „Verbindungen zwischen linken, postkolonialen, anti-imperialistischen und islamistischen sowie muslimischen Antisemitismen“. 2023 verzeichnete die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) 151 antisemitische Vorfälle mit Tatort „Hochschule“, davon drei Viertel nach dem 7. Oktober. 2021 waren es insgesamt noch 16 judenfeindliche Vorfälle. Für 2024 liegen noch keine belastbaren Zahlen vor.