05.03.2025
Deutschland: Anschlag in Mannheim, Kirchen rufen zum Gebet auf
Ein Mann war mit seinem Auto durch die Fußgängerzone gerast: Zwei Tote
Mannheim (IDEA) – Nach dem Anschlag in der Mannheimer Fußgängerzone haben die beiden großen Kirchen in der Stadt zum Gebet für die Opfer und deren Angehörige aufgerufen. Am 3. März war nach jetzigem Kenntnisstand ein 40-jähriger Deutscher mit seinem Auto mit hoher Geschwindigkeit durch die Fußgängerzone in der Nähe des Mannheimer Wasserturms gerast. Dabei wurden laut einer gemeinsamen Pressemitteilung des Landeskriminalamts sowie der Polizei und der Staatsanwaltschaft Mannheim zwei Menschen getötet. Fünf weitere seien schwer und fünf leicht verletzt worden. Der Täter wurde kurz darauf von der Polizei verhaftet, die zum jetzigen Zeitpunkt ein extremistisches oder politisches Motiv ausschließt. Die „Bild“-Zeitung, die von elf Verletzten berichtete, recherchierte im Umfeld des mutmaßlichen Täters aus Ludwigshafen. Demnach hat dieser im Vorfeld des Anschlags massive psychische Auffälligkeiten gezeigt. So soll er sich im August 2024 mit Benzin übergossen haben und damit gedroht haben, sich anzuzünden. Damit habe er laut Recherchen der Zeitung seine Einweisung ins Krankenhaus erzwingen wollen. Eine Bekannte des Täters habe zudem berichtet, dass er sich in letzter Zeit sehr merkwürdig verhalten habe. „Er hat einfach ins Leere gestarrt und dann wie aus dem Nichts angefangen zu lachen. Wir hatten noch eine halbe Stunde vor der Tat Kontakt mit ihm.“
Kirchen laden zur ökumenischen Andacht ein
Die beiden Dekane der Evangelischen und Katholischen Kirche in Mannheim, Ralph Hartmann und Karl Jung, ließen gemeinsam mitteilen, dass ihre Gedanken und Gebete bei allen seien, die der Anschlag körperlich und seelisch getroffen habe. Was in der Mannheimer Innenstadt geschehen sei, „erschüttert und verstört zutiefst. Ein Ereignis, das uns alle fassungslos macht und schockiert. Etwas, was Fragen aufwirft, auf die es derzeit keine Antworten gibt. Menschenleben wurden zerstört und schwer verwundet.“ Die beiden Geistlichen luden zudem zu einer ökumenischen Andacht am 4. März in die evangelische Citykirche Konkordien ein. Angekündigt wurde die Teilnahme der badischen Landesbischöfin Heike Springhart (Karlsruhe), des römisch-katholischen Erzbischofs von Freiburg, Stephan Burger, sowie des Mannheimer Oberbürgermeisters Christian Specht (CDU).
Landesbischöfin: „Lassen uns weder Feste noch stille Trauer wegnehmen“
Springhart bekundete in einer Mitteilung ihre Anteilnahme: „Wieder wurden unschuldige Menschen durch eine sinnlose Tat verletzt und in Angst und Schrecken versetzt. Inmitten einer ausgelassenen Fröhlichkeit wurden zwei Menschen getötet. Wieder muss Mannheim mit einem schrecklichen Vorfall umgehen. Mein tiefes Mitgefühl gilt allen Betroffenen, die ich in mein Gebet einschließe.“ Zum Hintergrund: Erst im Mai 2024 hatte der Afghane Sulaiman Ataee auf dem Mannheimer Marktplatz den Islamkritiker Michael Stürzenberger mit einem Kampfmesser angegriffen und ihn sowie mehrere weitere Menschen verletzt. Als der 29-jährige Polizist Rouven Laur zu Hilfe eilte, stach Ataee ihm mit dem Messer in den Hals. Laur erlag zwei Tage später seinen Verletzungen. Die Landesbischöfin zitierte angesichts des jüngsten Anschlags Römer 12,15: „Selten hat ein Satz der Bibel besser gepasst angesichts dieses Leides inmitten der fröhlichen Faschingszeit: ‚Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden!‘“. Es gelte, sich trotz aller Wut, Fassungslosigkeit und Traurigkeit nicht der gesellschaftlichen Polarisierung hinzugeben. „Wir lassen uns weder unsere fröhlichen Feste noch unsere stille Trauer von Menschen wegnehmen, die Unfrieden und Leid in unsere Gesellschaft tragen.“ Dazu gehöre auch, die Ermittlungsbehörden ihre Arbeit machen zu lassen und Falschnachrichten, wie sie laut Polizei direkt nach der Tat verbreitet wurden, nicht unreflektiert zu folgen.
Erzbischof: „Mannheim erlebt wieder schwarze Stunden“
Ähnlich äußerte sich Erzbischof Burger in einer Mitteilung: „Mannheim erlebt wieder schwarze Stunden. Was am Montag passiert ist, macht mich fassungslos und lässt mich wütend zurück. Mit dem Auto in eine Menschenmenge zu rasen und so andere Menschen zu töten oder zu verletzen, verstößt gegen alles, was uns als Menschen ausmacht.“ Er bete für die Verstorbenen und die Verletzten, denen er eine rasche und vollständige Genesung wünsche, so Burger. Er hoffe, dass die Bürger von Mannheim weiter zusammenstünden und „die Offenheit ihrer Stadt“ bewahrten. Nun seien zunächst die Ermittlungen der Polizei abzuwarten. „Bis dahin sollten sich alle mit Spekulationen, auch in den sozialen Netzwerken, zurückhalten.“