05.03.2025

Indien: Film schürt Vorurteile gegen Christen

Sie werden darin als betrügerische Landräuber dargestellt

Neu-Delhi (IDEA) – Die christliche Minderheit in Indien steht weiter unter massivem Druck der hinduistischen Mehrheit. Das berichten christliche Menschenrechtsorganisationen im Land wie auch das überkonfessionelle Hilfswerk Open Doors. In einem indischen Spielfilm werden die Christen im Bundesstaat Odisha als betrügerische Landräuber dargestellt. Der Filmemacher Bijay Kandoi schildert in seinem Film unter dem Titel „Sanatani: Karma Hi Dharma“ Interessenkonflikte zwischen christlichen Missionaren und Stammesvölkern. Dabei behauptet er, christliche Missionare verfolgten durch die Bekehrung von Mitgliedern indischer Stammesgemeinschaften den Plan, Land zu rauben. Der in Neu-Delhi ansässige christliche Dachverband National United Christian Forum (Nationales Vereintes Christliches Forum) kritisiert den Film: „Er verzerrt das Bild von Jesus, wichtige Aspekte der christlichen Lehre, insbesondere das Sakrament der Taufe, und stellt die Konversion als kriminelle Handlung dar.“ Zudem zeigte sich das Forum besorgt, dass der Film zu Unruhen gegen die Christen führen könne.

Film schürt Ressentiments

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International (CSI/München) haben die Filmemacher nach der Freigabe des Films durch die Zensurbehörde zahlreiche Veranstaltungen organisiert, in denen sie Christen verunglimpften. Sie hätten dabei den Film als Aufruf an Hindus verstanden, sich gegen Christen zu vereinen. Zudem hätten sie behauptetet, dass der Film auf wahren Geschehnissen beruhe und deshalb ein Betrag „zum Schutz der hinduistischen Religion“ sei. Christen aus dem Bezirk Kandhamal in Odisha schrieben daraufhin an den Ministerpräsidenten des Bundesstaates, Mohan Charan Majhi, und forderten ihn auf, die Veröffentlichung des Films zu stoppen. Er habe auf das Schreiben jedoch nicht reagiert. Der Oberste Gerichtshof von Odisha habe einen Antrag auf ein Verbot des Films abgelehnt. CSI-Angaben zufolge gab es 2024 in Indien mehr als zwei Übergriffe auf Christen pro Tag. 834 Fälle seien dokumentiert worden.

Weiterer Vorwurf: Christen schlachten Kühe

Über einen weiteren Aufruf zur Gewalt gegen Christen berichtet das Hilfswerk Open Doors. Im indischen Bundesstaat Chhattisgarh hätten Hindu-Extremisten während einer Hindu-Pilgerreise mit mehr als 600 Millionen Teilnehmern in den Sozialen Medien dazu aufgerufen, am 1. März gegen Christen vorzugehen. Zur Begründung erhoben sie den Vorwurf, dass Christen Kühe schlachten und essen würden. Im Hinduismus gelten Kühe als heilige Tiere.

Gebete wurden erhört

Daraufhin hatten Christen weltweit dafür gebetet, dass es nicht zu Übergriffen komme. Tatsächlich habe Gott die Gebete erhöht, teilte der Pressesprecher von Open Doors Deutschland, Jens Fischer (Kelkheim bei Frankfurt am Main), der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA mit. Außerdem hätten Menschenrechtsorganisationen Druck auf hinduistische Redner aufgebaut. Daraufhin habe einer auf Facebook erklärt, dass der Angriff abgesagt worden sei. Wenn der Schutz von Kühen sichergestellt sei, brauche mit nicht mehr zu solchen „Maßnahmen“ greifen. Das Hilfswerk rief dazu auf, weiter für die Christen in Indien zu beten. Auf dem von Open Doors veröffentlichen Weltverfolgungsindex steht Indien auf Platz elf unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Von den etwa 1,4 Milliarden Einwohnern Indiens sind 72 Prozent Hindus, 14 Prozent Muslime und fünf Prozent Christen. Der Rest gehört kleineren Religionsgemeinschaften an. Seit 2014 regiert die hindu-nationalistische Bharatiya Janata Party (Indische Volkspartei/BJP) mit Premierminister Narendra Modi das Land. Seither mehren sich Diskriminierungen und Übergriffe auf Christen. Sie werden vielfach als unerwünschte Fremde angesehen.