17.03.2025

Indien: Massenproteste gegen Anti-Konversionsgesetz

Rund 200.000 Christen gehen dagegen auf die Straße

Itanagar (IDEA) – Im hindu-nationalistisch regierten Indien könnte ein umstrittenes Anti-Konversionsgesetz bald in einem weiteren Bundesstaat Anwendung finden. Es stellt Glaubensübertritte unter Strafe, die durch Zwang oder Anreize erfolgen. Gegen ein solches Gesetz gingen rund 200.000 Christen im nordöstlich gelegenen Bundesstaat Arunachal Pradesh unweit der Hauptstadt Itanagar auf die Straße. Hinter den Protesten steckt die ökumenische Initiative „Arunachal Pradesh Christian Forum“ (APCF). Sie befürchtet den Missbrauch des Gesetzes – wie in anderen Bundesstaaten bereits geschehen. Das berichtet unter anderem das christliche Hilfswerk CSW (ehemals Christian Solidarity Worldwide/Christliche Solidarität weltweit). Das Anti-Konversionsgesetz in Arunachal Pradesh wurde bereits 1978 verabschiedet. Da die nötigen Regeln zur Umsetzung aber nie festgelegt wurden, trat das Gesetz nicht in Kraft. Im September 2024 entschied nun ein Gericht, dass dies bis Ende März nachgeholt werden müsse.

Christen: Wir zerstören die indigene Tradition nicht

Auslöser für die geplante Wiederbelebung des Anti-Konversionsgesetzes ist die Petition eines Aktivisten für die Rechte indigener Völker. Der von Gebirgen geprägte Bundesstaat grenzt an Bhutan, die Volksrepublik China und Myanmar und ist von einer Vielzahl indigener Stämme bewohnt. Laut der Volkszählung im Jahr 2011 bilden Christen mit rund 30 Prozent der Bevölkerung die größte Religionsgemeinschaft, gefolgt von indigenen Glaubensrichtungen und dem Buddhismus. Gegenüber CSW erklärte der APCF-Vorsitzende Mir Stephan Tarh dazu: „Das Argument der indigenen Glaubensgruppen ist, dass ihre traditionellen Praktiken ausgelöscht werden, weil die Menschen zur Kirche gehen.“ Die Behauptung sei aber nicht wahr. Die Christen hätten nach ihrem Glaubenswechsel lediglich den Animismus aufgegeben. Alle anderen traditionellen Praktiken bestünden fort. Während die Lebensart und Religion der indigenen Stämme gesetzlich geschützt sei, seien indigene Christen davon ausgenommen, beklagt Tarh. Seiner Ansicht nach verdienen sie aber denselben Minderheitenschutz. Das Anti-Konversionsgesetz könnte ihre Religionsfreiheit nun einschränken. So müssten künftig etwa Glaubensübertritte und Taufen von den Behörden bewilligt werden, sonst drohten beteiligten Geistlichen Strafen. In Indien gibt es derzeit in elf der 28 Bundesstaaten Anti-Konversionsgesetze. Menschenrechtler kritisieren sie aufgrund ihrer vagen Definition und Auslegung. Vor allem Hindu-Nationalisten missbrauchen die Gesetze zunehmend für falsche Beschuldigungen und Gewalt gegen die christliche Minderheit. Von den etwa 1,4 Milliarden Einwohnern Indiens sind 72 Prozent Hindus, 14 Prozent Muslime und fünf Prozent Christen. Der Rest gehört kleineren Religionsgemeinschaften an.