06.05.2025

Israel: Knesset-Ausschuss verurteilt Übergriffe auf Christen

Allein im April kam es zu 20 Zwischenfällen in Jerusalem

Jerusalem (IDEA) – Kirchenvertreter und Mitglieder des israelischen Parlaments haben die zunehmenden Übergriffe auf Christen in Israel verurteilt. Das Problem war am 5. Mai zum ersten Mal Thema bei einer Anhörung vor dem Ausschuss für Einwanderung, Absorption und Diaspora-Angelegenheiten der Knesset. Demnach wurden 2024 über 100 Übergriffe auf Christen – sie umfassen Beleidigungen und Vandalismus bis hin zu körperlichen Angriffen – in der Jerusalemer Altstadt registriert. Allein im April waren es 20 weitere. Der Vorsitzende des Ausschusses, Gilad Kariv (Arbeitspartei), verurteilte die Übergriffe scharf: „Wir sind Zeugen eines unerträglichen Phänomens in einem gesetzestreuen Land und insbesondere in einem jüdischen und demokratischen Staat, nämlich der Belästigung von christlichen Einrichtungen, Geistlichen und Pilgergruppen.“ Die Zahlen zeigten, „dass das Thema nicht die Priorität erhält, die es verdient“, so der Wortlaut in der Abschlusserklärung. Der Ausschuss forderte als Konsequenz unter anderem einen umfassenden Aktionsplan der Polizei. Die Sicherheit der christlichen Gemeinschaft müsse gewährleistet werden. Das Gremium kündigte dafür Gespräche mit Verantwortungsträgern in unterschiedlichen Ministerien an. Es brauche einen „systematischen Ansatz, der Durchsetzungsmaßnahmen, entschlossenes juristisches Vorgehen und intensive Bildungs- und Informationsmaßnahmen kombiniert“.

Was Kirchenvertreter und Rabbiner sagen

An der Sitzung nahmen auch Vertreter unterschiedlicher Kirchen und jüdischer Gemeinschaften teil. Der Botschafter des Vatikans in Israel, Erzbischof Adolfo Tito Yllana, bezeichnete die Vorfälle als „offene Provokation“. Er fühle sich durch die Attacken persönlich angegriffen, nicht als Erzbischof oder Priester, sondern als Christ. Rabbi Elazar Simcha Weiss, Mitglied des Rates des Oberrabbinats von Israel sowie des Komitees für interreligiöse Beziehungen, verwies darauf, dass die Angriffe extremistischer Gruppen nicht das Judentum repräsentierten. Das Oberrabbinat habe an die Polizei appelliert, sich stärker um die Durchsetzung des Rechts in der Jerusalemer Altstadt zu bemühen. Dass es sich keineswegs um eine Minderheit handele, oder gar um Einzelfälle, betonte die Leiterin des Online-Datenzentrums „report-hotline.com“, Yisca Harani. Auf der Plattform können solche Vorfälle gemeldet werden. Ihrer Ansicht nach breitet sich das Phänomen „in einer nicht zu unterschätzenden Weise“ aus. Von den 10,1 Millionen Einwohnern Israels bezeichnen sich 77,6 Prozent als jüdisch oder „anders“ und 20,9 Prozent als Araber. 2,5 Prozent sind legal in Israel lebende Ausländer. Der Anteil der Christen insgesamt wird auf etwa zwei Prozent geschätzt.