12.05.2025
Deutschland: „Judenhass so schlimm wie noch nie seit 1945“
Journalist Peyman Engel: Seit dem 7. Oktober 2023 sind alle Dämme gebrochen
Berlin (IDEA) – Der Judenhass in Deutschland ist „so schlimm wie noch nie seit 1945“. Dieser Ansicht ist der Chefredakteur der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“, Philipp Peyman Engel (Berlin). Er sprach beim „Israel Summit“ (Gipfel) am 12. Mai in Berlin. Veranstalter ist die Organisation „Christen an der Seite Israels“. Engel zufolge sind seit den Überfällen der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 beim Judenhass „alle Dämme gebrochen“. Seitdem befinde sich das jüdische Volk in einem Ausnahmezustand. In Deutschland zeige sich Judenhass sowohl bei Rechtsextremen als auch bei Linksextremen und unter Muslimen. Die Anfeindungen durch israelfeindliche Fanatiker hätten massiv zugenommen. Engel: „Eine Gesellschaft, die dem Judenhass freien Lauf lässt, taumelt in den Abgrund.“ Engel kritisierte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ als „explizit israelfeindlich“. Zwar gebe es auch Redakteure mit einem fairen Blick auf Israel, sie könnten sich aber nicht durchsetzen. Führungsversagen gebe es zudem an Universitäten. Beispielsweise habe die Präsidentin der Technischen Universität Berlin israelfeindliche Proteste an ihrer Hochschule einfach laufen lassen. Eine Täter-Opfer-Umkehr finde auf allen Ebenen der Gesellschaft statt. So habe die frühere Außenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) keine Anstrengung unterlassen, um Israel international zu isolieren. „Gott sei Dank“ gebe es jetzt mit Johann Wadephul (CDU) einen Außenminister, der gegenteilig agiere. Hoffnungsvoll stimme ihn zudem, dass viele Christen Juden unterstützten: „Das ist in höchstem Maße erfreulich.“
Publizist Mansour: „Wo waren die Deutschen?“
Der Psychologe und Publizist Ahmad Mansour (Berlin) kritisierte die fehlende Empathie der Deutschen für Israel. Zur Demonstration „Stunde der Solidarität mit Israel“ am 8. Oktober 2023 seien lediglich 2.000 Teilnehmer gekommen. Darunter seien vor allem Mitglieder der jüdischen Gemeinde sowie Freunde Israels gewesen. Mansour: „Wo waren die Deutschen?“ Sie hätten immer betont, Antifaschisten zu sein, die anders als ihre Großeltern sein wollen. Zudem habe man die Erinnerungskultur an den Holocaust mit Milliarden Euro gefördert. Dennoch habe die Mehrheit der Deutschen Israel die Empathie verweigert. Laut Mansour ist dafür die Entwicklung an den Universitäten mitverantwortlich. Dort dominierten linke Identitätspolitik und die Theorie des Postkolonialismus. Der politische Islam nutze diese Theorien, die Israel als Kolonialmacht ansehen, um sich Unterstützung im Kampf gegen Israel zu sichern. Mansour zufolge gibt es auf TikTok und Instagram einen „Tsunami an Propaganda“ gegen Israel. Die Unterstützer Israels hätten dagegen nichts anzubieten: „Wo ist die Aufklärung in den Sozialen Medien?“
Was eine „Eine-Frau-Gegendemo“-Aktivistin erlebt
Die FDP-Politikerin und Aktivistin Karoline Preisler (Berlin) sprach über ihr Engagement als „Eine-Frau-Gegendemo“ auf antiisraelischen Demonstrationen. Sie tritt – unter Polizeischutz – mit einem „Gegen Antisemitismus“-Schild auf propalästinensischen Demonstrationen auf. Sie werde dafür angeschrien und beschimpft, so Preisler. Die Demonstrationen richteten sich unverhohlen gegen die Existenz des Staates Israel. Die jüdische Jura-Studentin Alexandra Krioukov (Berlin) berichtete angesichts des Antisemitismus von Unsicherheit und Angst. Viele jüdische Studenten verheimlichten ihre Herkunft. Wenn im Hörsaal von Mitstudenten antisemitische Aussagen gemacht werden, stehe sie vor der Frage, ob man widersprechen oder besser schweigen soll.