19.05.2025
Deutschland: Kauder beklagt westliches Desinteresse beim Thema Religionsfreiheit
Er sprach bei einer Veranstaltung von „Overseas Training“
Untermünkheim (IDEA) – Der frühere Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, hat eine zunehmende Gleichgültigkeit westlicher Nationen gegenüber der weltweiten Bedrohung der Religionsfreiheit kritisiert. Diese müsse ein zentrales Thema internationaler Politik sein, betonte Kauder bei einer Veranstaltung des Missionswerks „Overseas Training“ in Untermünkheim (Kreis Schwäbisch Hall). Besonders Christen litten unter der Einschränkung ihrer Glaubensfreiheit. In Indien etwa seien Christen „brutal verunsichert“. In dem stark hinduistisch geprägten Land seien Religion und Nation inzwischen eng miteinander verknüpft. Die verschärften Anti-Konversionsgesetze stünden im Widerspruch zur verfassungsrechtlich garantierten Religionsfreiheit, was der indischen Regierung offenbar gleichgültig sei. In anderen Ländern wie Nigeria sei der Staat weder willens noch in der Lage, Religionsfreiheit zu gewährleisten. So könne die radikalislamische Terrororganisation „Boko Haram“ Christen im Norden des Landes unterdrücken, ohne dass die Regierung einschreite.
Begrenzte Möglichkeiten nutzen
Kauder forderte Christen auf, das Thema wachzuhalten und die begrenzten Möglichkeiten zu nutzen. Er nannte als Beispiel eine christliche Schule in Indien, an der 90 Prozent der 2.500 Schüler Hindus seien. Eltern schickten ihre Kinder in diese Schule, weil sie der Meinung seien, ihre Kinder lernten dort mehr lernen als an anderen Einrichtungen. Das biete den Christen Schutz. Ihm zufolge engagieren sich verfolgte Christen oft besonders in den Bereichen Bildung und Gesundheitsversorgung. Hoffnung gebe ihm der starke und oft unerschütterliche Glaube verfolgter Christen: „Jesus Christus steckt in diesen Ländern offenbar Menschen an, ihm zu folgen.“ Die Zahl der Christen nehme trotz Unterdrückung zu. Das mache manche Regierungen nervös: „Wenn es so wäre, dass es jedes Jahr 1.000 Christen weniger wären, dann müssten sie sich ja nicht sorgen, weil sie wüssten, irgendwann ist der Spuk beendet.“
Über „Overseas Training“
Geschäftsführer des Missionswerks „Overseas Training“ ist Pfarrer Andreas Kammer. Die Organisation wurde 1994 als „Overseas Council Europe“ gegründet und engagiert sich in Ländern des Globalen Südens für die Ausbildung einheimischer Gemeindeleiter. Das Werk gehört zum Netzwerk „Leadership Training Support“, das mit über 150 theologischen Ausbildungsstätten und Bibelschulen in 60 Ländern zusammenarbeitet. Kauder ist seit 2022 Honorarprofessor für Religionsfreiheit und Erforschung der Christenverfolgung an der Freien Theologischen Hochschule (FTH) Gießen.