21.05.2025
Pakistan: Christ brutal gefoltert und ermordet
Mutmaßlicher Täter ist ein Ex-Polizist und Arbeitgeber des Toten
Sialkot (IDEA) – In Nordosten Pakistans hat der brutale Mord an einem Christen Entsetzen und Empörung unter Menschenrechtsaktivisten und der christlichen Minderheit ausgelöst. Bei dem Opfer handelt es sich um den 35-jährigen Arbeiter Kashif Masih. Die Tat ereignete sich im Bezirk Sialkot (Provinz Punjab). Unter Berufung auf den Bruder des Opfers, Riyasat Masih, berichtet die Onlineplattform „Morningstar News“, dass eine Gruppe Muslime den Katholiken am Abend des 11. Mai aus seinem Haus holte und ihn zu Tode folterte. Grund dafür sei der Vorwurf, Masih habe seinem Arbeitgeber ein Mobiltelefon gestohlen. Seine Familie bestreitet dies, und auch eine Hausdurchsuchung durch die Täter habe nichts ergeben. Am 12. Mai wurde Masih schwerverletzt auf einer Straße liegend gefunden. Bevor er starb, benannte er seinen Arbeitgeber als Haupttäter. Masih hatte drei Jahre auf dem landwirtschaftlichen Anwesen des ehemaligen Polizei-Inspektors Malik Irfan gearbeitet. Irfan soll sieben Männer – darunter zwei namentlich bekannte Verwandte – dazu aufgefordert haben, ihn zu foltern, bis er den Diebstahl gestehe. Laut Autopsie wurde Masih mit Knüppeln und Metallstangen geschlagen. Die Folterer trieben ihm auch Nägel in seine Beine. „Ich kann den Schmerz nicht in Worte fassen, als ich die Leiche meines jüngeren Bruders sah“, so Riyasat Masih. Laut dem katholischen Nachrichtenportal „AsiaNews“ zögerte die Polizei anfangs, die Anzeige gegen Irfan und die Mittäter aufzunehmen. Erst der Protest einer größeren Gruppe von Christen änderte dies. Irfan wurde verhaftet. Seine beiden Verwandten ließen die Behörden nach kurzer Haft auf Kaution frei. Von den restlichen fünf Männern fehlt bislang jede Spur.
Anwalt: Mafiöse Gewalt und religiöse Verfolgung – Staat ist nachlässig
Gegenüber „AsiaNews“ verurteilte der Anwalt für die Rechte von Minderheiten, Joseph Janssen, den Angriff scharf. Es handele sich um keinen Einzelfall. Er verwies auf ein „systematisches Muster von mafiöser Gewalt, religiöser Verfolgung und staatlicher Nachlässigkeit in Pakistan“. Es gebe eine tief verwurzelte Kultur der Straflosigkeit, in der Täter innerhalb der Polizei und in elitären Kreisen handelten, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Die Familie von Kashif Masih hat Angst vor Racheakten und bat den Staat um Schutz. Sie befürchtet, dass der Hauptangeklagte Irfan den Prozess durch seinen sozialen und politischen Einfluss behindern könnte. Immer wieder kommt es in Pakistan zu Übergriffen und Blasphemievorwürfen gegen religiöse Minderheiten wie Christen aufgrund falscher Behauptungen. Oft stecken dahinter persönliche Streitigkeiten oder Missgunst. Von den über 230 Millionen Einwohnern Pakistans sind 96 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen und ein Prozent Hindus.