12.11.2025

China: China-Kenner-KI-gestützte Christenverfolgung in der Volksrepublik

Ein Medienfachmann betont dagegen die evangelistischen Chancen von KI

Schwäbisch Gmünd (IDEA) – Künstliche Intelligenz (KI) kann für verfolgte Christen sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben. Darauf haben Experten beim Kongress „Christenverfolgung heute. Weltweite Religionsfreiheit – Wachsende Kirchen“ in Schwäbisch Gmünd hingewiesen. Der Anthropologe und China-Kenner Adrian Zenz warnte davor, das Missbrauchspotenzial von KI zu unterschätzen. Bereits jetzt könne in China von einer KI-gestützten Verfolgung von Christen und anderen Minderheiten gesprochen werden. So würden etwa in Kirchen Kameras aufgestellt, die Gesichter erkennen können, die dazugehörigen Daten auswerteten und an die Behörden übermittelten. Auch Chats von Christen könnten mit Hilfe dieser Anwendung in Echtzeit auf bestimmte Inhalte oder Wörter geprüft und Nachrichten automatisch blockiert werden. Überdies versuchten die Behörden, mit KI Vorhersagen über das Verhalten von Christen zu treffen, etwa wo sie sich das nächste Mal treffen könnten. Dafür fütterten die Behörden die Anwendung mit unterschiedlichsten Informationen, damit sie Muster erkennen kann. Die Nutzung von KI mache die Überwachung von Christen leiser, schneller und engmaschiger. Sie werde zudem weniger nachweisbar. Wie auch die klassischen Formen der Verfolgung diene auch die KI letztendlich dazu, Chinas Ziel eines konformen Staates im Sinne der kommunistischen Ideologie zu bilden. Zenz verwies jedoch auch auf die große Schwäche von KI: Sie suche stets nach Mustern und ermittle daraus Wahrscheinlichkeiten. Während Menschen automatisch Routinen entwickelten und somit ein leichtes Ziel von KI seien, passe Gott hingegen in keine Muster.

TV-Direktor: KI zum Evangelisieren nutzen

Der Direktor der TV- und Medienplattform Al Hayat, der Ex-Muslim Harun Ibrahim, ermutigte hingegen dazu, KI als evangelistisches Werkzeug zu nutzen. Al Hayat habe etwa eine eigene KI-basierte Chat-Plattform entwickelt. Dort könnten Menschen aus aller Welt in ihrer Muttersprache schriftlich oder mündlich Fragen über den christlichen Glauben stellen. Die KI antworte ihnen auf Basis der Bibel und gebe auch Tipps zur Vertiefung oder praktischen Umsetzung. Allein 2025 seien 200.000 Fragen an die KI gestellt worden. Die Plattform erreiche mit diesem Werkzeug weit mehr Menschen, als diese es mit ihren Mitarbeitern könnte. Die meisten Anfragen kämen aus dem Iran, doch auch Nutzer in der Türkei seien fleißig. Sonst kaum erreichbare Länder wie Afghanistan seien unter den Top 10. Er erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass es noch etwa 7.400 unerreichte Völker gebe, die so vielleicht mit dem Evangelium in Kontakt kommen könnten. Der Medienexperte betonte zugleich, dass KI lediglich ein nützliches Werkzeug sei. Es könne die Lehren Jesu selbst nicht ersetzen, sondern nur auf sie verweisen. Veranstalter des viertägigen Kongresses sind das Christliche Gästezentrum Schönblick (Schwäbisch Gmünd) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA (Wetzlar) in Zusammenarbeit mit 42 christlichen Hilfswerken sowie Menschenrechtsorganisationen aus dem deutschsprachigen Raum. Er endet am 12. November.