12.11.2025
Kuba: Pastor aus Kuba: "Regierung täuscht Religionsfreiheit vor"
Hunderte Spitzel überwachen das Gemeindeleben
Schwäbisch Gmünd (IDEA) – Ein kubanischer Pastor hat Christen davor gewarnt, sich von scheinbarer Religionsfreiheit in seinem Land täuschen zu lassen. Der Geistliche – sein Name wird aus Sicherheitsgründen nicht genannt – äußerte sich am Rande des Kongresses „Christenverfolgung heute. Weltweite Religionsfreiheit – Wachsende Kirchen“ in Schwäbisch Gmünd gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA. Nach seinen Worten erleben Touristen öffentliche Gottesdienste. Sie dienten jedoch dazu, ein Bild der freien Religionsausübung in Kuba vorzugaukeln. Tatsächlich übe die sozialistische Regierung Druck auf die Christen aus: Zwar dürften sie ihren Glauben innerhalb ihrer Kirchen ausüben, jedoch unter ständiger Überwachung von Hunderten Spitzeln. Evangelisation sei ohne Genehmigung nicht erlaubt. Christen würden dazu gedrängt, regierungskritische Äußerungen innerhalb der Kirchen zu melden. Pastoren, die evangelistisch aktiv seien oder sich politisch zu Wort melden, gerieten unter Druck. So werde Gemeindeleitern beispielsweise gedroht, ihre Söhne, die Wehrdienst leisten, für Russland an die ukrainische Front zu schicken. Andererseits sei es derzeit möglich, für größere Veranstaltungen öffentliche Räume zu mieten. Das habe aber nichts mit einer Verbesserung der Religionsfreiheit in Kuba zu tun, so der Pastor. Die Regierung wisse, dass manche christliche Gemeinden aus dem Ausland Geld für ihre Arbeit erhalten. Durch die eingenommene Saalmiete profitiere die Regierung von diesen Spenden. Zudem dienten auch solche Einzelveranstaltungen dazu, Kuba im Ausland positiv darzustellen.
Öffentlich für kubanische Christen einsetzen
Der sozialistischen Regierung sei es wichtig, ein gutes Bild von Kuba zu erzeugen. Westliche Christen sollten dies nutzen, um sich für die dortigen Glaubensgeschwister öffentlich einzusetzen. Er selbst habe erlebt, wie hilfreich der internationale Druck sein könne: Er sei zwar für seine Tätigkeiten als Pastor gerichtlich verurteilt worden, die Regierung habe es aber aufgrund des internationalen Aufschreis nicht gewagt, die Haftstrafe zu vollstrecken. Er dankte allen, die sich für bedrängte Christen engagieren. Veranstalter des viertägigen Kongresses, der am 12. November zu Ende ging, waren das Christliche Gästezentrum Schönblick (Schwäbisch Gmünd) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA (Wetzlar) in Zusammenarbeit mit 42 christlichen Hilfswerken sowie Menschenrechtsorganisationen aus dem deutschsprachigen Raum. Der nächste Kongress ist für den 14. bis 17. November 2027 geplant.