09.01.2026

Deutschland: Bisher heftigster Anschlag legt Café „Stay“ lahm

Leipzig: Schaden durch Angriff mit Buttersäure beläuft sich auf 20.000 Euro

Leipzig (IDEA) – Im Dezember vergangenen Jahres hat es drei weitere Attacken auf das „Stay“-Café der freikirchlichen „Zeal Church“ in Leipzig durch mutmaßlich linksradikale Täter gegeben. Darunter befand sich der bislang heftigste Anschlag seit der Eröffnung vor gut zwei Jahren, berichtet der Leitende Pastor der Gemeinde, René Wagner, der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA. In der Nacht von Heiligabend auf den 1. Weihnachtstag bohrten Unbekannte demnach ein Loch in eine Fensterscheibe und kippten rund 500 Milliliter Buttersäure in den Innenraum. Der Geruch lasse sich kaum entfernen, der Boden müsse vollständig ausgetauscht werden. Das Café habe vorläufig schließen müssen, so Wagner.

Wagner: Neue Eskalationsstufe

Neben dem Buttersäureanschlag habe es zwei weitere Graffiti-Anschläge gegeben, einer davon in der Silvesternacht. „Das ist eine neue Eskalationsstufe“, so der Pastor. Der finanzielle Schaden sei erheblich. Pro Woche Schließzeit verliere das Café zwischen 3.500 und 4.500 Euro an Einnahmen. Hinzu kämen Kosten für Reinigung, Reparaturen und Renovierung. Insgesamt belaufe sich der Schaden auf rund 20.000 Euro. Es sei noch offen, wann das Café wieder eröffnet werden kann. Mittlerweile habe es 23 Anschläge auf das Lokal gegeben.

Zunehmende Bedrohung der Religionsfreiheit

Belastend sei inzwischen auch die persönliche Bedrohungslage. „Ich schaue dreimal in den Spiegel, wenn ich nach Hause fahre, ob uns niemand folgt“, sagte Wagner. Bei einer Gegendemonstration im November vor dem Café seien sein Name und der seines Mitgeschäftsführers quer über die Straße gerufen worden. Wagner betont, dass er zunehmend eine Einschränkung der Religions- und Meinungsfreiheit wahrnimmt. „Es ist in Ordnung, wenn Menschen nicht gut finden, was wir predigen oder was wir glauben – selbst wenn sie unsere Überzeugungen ablehnen“, sagte Wagner. „Aber deshalb zu zerstören und gewalttätig zu werden, ist nicht hinnehmbar. In welchem Land leben wir eigentlich?“ Der Pastor berichtet zudem von vielfältigen Bemühungen um Dialog – sowohl mit Gegnern als auch mit politischen Verantwortlichen. Mehrere Gesprächsangebote seien jedoch abgelehnt worden, unter anderem von Vertretern der Partei „Die Linke“ sowie von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). „Meine Hoffnung ist es, dass die Medien und die Politik irgendwann auf die radikale Bedrohung der Demokratie sowie der Meinungs- und Religionsfreiheit aufmerksam werden“, sagte Wagner.

Unterstützung auch von Nichtchristen

Gleichzeitig erfährt das Café breite Unterstützung. Eine laufende Spendenaktion habe innerhalb weniger Tage mehr als 16.000 Euro eingebracht – auch von Menschen ohne kirchlichen oder religiösen Bezug. Das zeige, dass viele Menschen in Deutschland „keinen Bock mehr“ auf Gewalt und Einschüchterung hätten, insbesondere vor dem Hintergrund der jüngsten Anschläge in Berlin, so Wagner.