21.10.2020

Irak: Lage der Christen im Oktober 2020

Die religiösen Minderheiten sind von der Corona-Pandemie besonders betroffen

Corona hat die ganze Welt verändert. Der Irak ist da keine Ausnahme. Er ist seit einiger Zeit unter den TOP 20 der am meisten betroffenen Ländern der Welt. Das Gesundheitssystem war schon davor schlecht und die Arbeitslosigkeit hoch, bevor die aktuelle Situation zu noch mehr Arbeitsplatzverlusten führte.

Die religiösen Minderheiten trifft es noch schwerer, da sie in Gegenden wohnen, die erst vor knapp drei Jahren von der Herrschaft des sogenannte “Islamischen Staates” befreit wurden und deren Infrastruktur massiv beschädigt oder sogar komplett zerstört war. In den Regionen Sinjar (überwiegend jesidisch) oder der Ninive-Ebene (überwiegend christlich) im Nordirak gibt es nach wie vor kein gut funktionierendes Gesundheitssystem. Nicht einmal Corona-Teststationen sind überall vorhanden. An einigen Orten herrscht eine Arbeitslosigkeit von 70 %. Viele Christen ziehen deshalb nach Ankawa, einem christlichen Vorort Erbils, der Hauptstadt der Region Kurdistan-Irak. Sollte es hier zu keiner Verbesserung der Lage kommen, ist von einer weiteren Migrationsbewegung auszugehen.

Die junge Generation braucht Unterstützung

Das Land und die Gesellschaft haben unter vielen internen Konflikten sehr gelitten: dem Zusammenbruch des Landes, der Herrschaft von Milizen, Korruption, usw. Es ist außerdem ein Schauplatz für (zu) viele externe Akteure. Die Situation ist kompliziert und es muss ein neues Modell, eine neue Zukunft für den Irak entwickelt werden. Eine Investition in die junge Generation ist zwingend notwendig. Sie hat das Ganze satt und will eine Perspektive.

Hilfreich wäre beispielsweise eine Unterstützung der jungen Menschen in der vielfältigen Gesellschaft in der Ninive-Ebene, in der unterschiedliche religiöse Minderheiten leben. Dort gibt es gute lokale Initiativen, die sich um sozialen Zusammenhalt und Friedenssicherung kümmern sowie Menschen trainieren, aktiv an der Versöhnung und Gestaltung ihrer Gesellschaft mitzuwirken. Außerdem helfen Stipendien und die Unterstützung lokaler Kleinunternehmen jungen Menschen eine Zukunft in ihrem Land zu ermöglichen.

Israel ist für die Mehrheit der Iraker kein Feind

Die wachsende Furcht der Vereinigten Arabischen Emirate vor dem Iran führte nun zu einem Friedensvertrag mit Israel. Diese neue Entwicklung in der arabischen Welt beeinflusst auch den Irak, der nach wie vor unter dem Einfluss seines Nachbarlandes Iran steht.

Die Region Kurdistan-Irak steht seit vielen Jahren in freundschaftlichen Beziehungen zu Israel. Der Großteil der Menschen im Irak wünscht sich grundsätzlich normale Beziehungen zu den Ländern in der Region. Radikale schiitische Parteien, die unter dem Einfluss des Iran stehen sowie fundamentalistische Sunniten sind in der Minderheit. Die gegenwärtige Situation im Land wird jedoch höchstwahrscheinlich keine Veränderung möglich machen.

Der Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern wird als wichtig empfunden, aber als inner-palästinensische Frage gesehen.

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Fact Sheet: Irak – Oktober 2020 (PDF)Herunterladen

Quelle: www.ojcos-stiftung.de/