26.09.2020

Weißrussland: Betätigungsverbot für katholischen Priester

Einreiseverbot für das Oberhaupt der katholischen Kirche im Land

Ohne jede Begründung hob der leitende Beamte für religiöse Angelegenheiten Leonid Gulyako von einem Tag auf den anderen die Genehmigung für den polnischen Priester Jerzy Wilk für den Dienst in seiner Pfarre in der Region Vitebsk auf. Gulyako verständigte den zuständigen Bischof nur einen Tag im Voraus von der Aufhebung der Genehmigung, die am 3. September in Kraft trat. Die Genehmigung war ursprünglich für ein Jahr ausgestellt worden. Diese Geltungsdauer war zum Zeitpunkt des Widerrufs allerdings erst zur Hälfte abgelaufen. Pater Wilk, der seit 2003 in Belarus tätig ist, erklärte, dass er keine Ahnung hätte, weshalb ihm die Erlaubnis, als Priester im Land zu wirken, entzogen wurde. Er fügte hinzu, dass 500 Angehörige Gulyako ersucht hatten, seine Entscheidung rückgängig zu machen.

In einer getrennten Entwicklung teilte das staatliche Grenzkomitee am 31. August dem Oberhaupt der katholischen Kirche in Belarus, Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz mit, dass er nicht wieder in sein Heimatland einreisen dürfte. Begründet wurde dies damit, dass sein belarussischer Pass ungültig wäre. Daher war er gezwungen in Polen zu bleiben. Der 74-jährige Erzbischof Kondrusiewicz wurde im Land, d.h. in der damaligen Weißrussischen Sowjetrepublik, geboren und besitzt ausschließlich die belarussische Staatsbürgerschaft. Er verzichtete 2008, ein Jahr nach seiner Rückkehr aus Moskau, wo er 16 Jahre lang seinen priesterlichen Dienst ausgeübt hatte, auf die russische Staatsbürgerschaft. Damals erwirkte er eine Aufenthaltserlaubnis und erwarb 2016 die belarussische Staatsbürgerschaft. Der Leiter der Abteilung Staatsbürgerschaft und Migration beim Innenministerium erklärte, man würde derzeit nur überprüfen, ob er tatsächlich Staatsbürger der Republik Belarus wäre und auch die Urkunden prüfen, die er bei seiner Antragstellung auf Einbürgerung vorgelegt hat.  

Quelle: Forum 18, Oslo (Meldung vom 25. September 2020)

Deutsche Fassung: Arbeitskreis Religionsfreiheit der ÖEA