26.10.2020

Deutschland: Aleviten verlassen das „Forum Muslime und Christen“

Bund der Alevitischen Jugendlichen kritisiert Ökumenischen Kirchentag

Köln (idea) – Der Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland (BDAJ) ist aus der Projektkommission „Forum Muslime und Christen“ des Ökumenischen Kirchentages ausgetreten, der vom 12. bis 16. Mai in Frankfurt am Main stattfinden soll. Kritik übt der Verband vor allem daran, dass in der Kommission auch die konservativen Islamverbände „Zentralrat der Muslime“ und „Islamrat“ sitzen. Beide würden „menschenfeindliche Ideologien“ vertreten. „Von diesen Verbänden geht eine Gefahr für Aleviten und andere Minderheiten in Deutschland aus“, heißt es in einer am 20. Oktober in Köln veröffentlichten Erklärung. Ähnlich äußerte sich die Bundesvorsitzende des alevitischen Jugendverbandes, Özge Erdogan. „Wir können es nicht vertreten, im christlich-muslimischen Dialog mit Organisationen aus dem türkischen Rechtsextremismus und Islamismus zusammenzuarbeiten“, sagte die 28-Jährige der Tageszeitung „Die Welt“. Kritik übte sie auch am Ökumenischen Kirchentag: „Offenbar sind die Darstellung von Offenheit und Vielfalt wichtiger als Minderheitenschutz und Menschenrechte.“

Vertretung von 78.000 alevitischen Jugendlichen

Zur Begründung verwies der Jugendverband darauf, dass die beiden konservativen Islamverbände im Verfassungsschutzbericht 2019 vorkommen. So werde der größte Mitgliedsverband des Zentralrats der Muslime, die Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa (ATIB), im Kapitel „Sicherheitsgefährdende und extremistische Bestrebungen von Ausländern“ genannt. Und der größte Mitgliedsverband des Islamrats, die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs, werde vom Verfassungsschutz als islamistisch bezeichnet. Der BDAJ vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von rund 78.000 alevitischen Jugendlichen in Deutschland.

Kirchentagssprecher ist „überrascht“

Ein Sprecher des Ökumenischen Kirchentags teilte auf Anfrage der „Welt“ mit, dass man umgehend das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen wolle. „Die Nachricht vom Rückzug des Bunds der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland aus der Projektkommission hat uns sehr überrascht“, sagte der Sprecher. Das breite Spektrum innerhalb der Projektkommission solle „dem dialogischen Ansatz gerecht werden“.